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Auswahl aus dem aktuellen Pressespiegel von
resist:
Pressespiegel zur rechtlichen Nachbereitungsphase
- Berliner Zeitung 29.08.03:
Bußgeld für Ungehorsam
- Der Standart, Wien: Juristische Konsequenzen
für Irak-Krieg-Demonstranten
- Dieburger Zeitung, 28.08.03: Blockierer
der US-Airbase sollen zahlen
- FR, 28.08.03: Friedensbewegung erwartet
Prozesslawine
- Junge Welt: 28.08.03: Prozeßlawine
gegen Kriegsgegner droht
- Neues Deutschland, 28.08.03: Prozess-Lawine
gegen Irak-Kriegsgegner
Pressespiegel zur resist-Sitzblockade vor der
US-Airbase Rhein/Main am 29.3.03:
-
FR: Polizei trägt 580 Sitzblockierer vom Airbase-Haupttor weg
-
reuters: Mehr als 1000 Kriegsgegner bei Sitzblockade vor US-Stützpunkt
- tagesschau: 16/18
Uhr, 20
Uhr
-
junge welt: Protestwelle ungebrochen
-
SZ-online: Massenproteste gegen Irak-Krieg
- FASZ: Blockade durch
Polizei beendet
- FAZ: Polizei beendet Airbase-Blockade
Pressespiegel zur resist-Sitzblockade vor der
US-Airbase Spangdahlem am 22.3.03:
- Associated Press:
Sitzblockade vor US-Airbase Spangdahlem
Pressespiegel zur resist-Sitzblockade vor der US-Airbase Rhein/Main
am 15.3.2003:
-
Spiegel Online: Proteste gegen Irak-Krieg
-
FR, 17.3.03: Sand im Getriebe
- FASZ: Polizei beendet Blockade
- FAZ: Auf Strohsäcken gegen einen
Krieg im Irak
-
heute (ZDF), 15.3.03: Weltweite Demonstrationen gegen Irak-Krieg
-
SZ, 15.3.03: Heißes Herz, kühle Rechnung
- tagesschau, 15.3.03:
18
Uhr, 20
Uhr
- FTD, 15.03.03: Kriegsgegner protestieren
vor der Frankfurter Airbase
-
Junge Welt, 17.3.03: Krieger am Pranger
-
Berliner Zeitung, 17.3.03: Massenproteste gegen den Krieg
- TAZ, 17.3.03: Abertausende auf Friedensdemos
- Tagesspiegel, 15.3.03: Autokorso
für den Frieden
- CNN.com: War protesters cling to hope
- FAZ:Demonstration vor der Air Base
verboten
- FAZ: Demonstration an der Airbase
erlaubt
Pressespiegel resist-Pressekonferenz am
12.3.2003
AFP:
Sitzblockade vor US-Airbase in Frankfurt untersagt
Pressespiegel resist-Sitzblockade
vor der NATO-Airbase Geilenkirchen 24.2.03:
- Die Welt: Verlegung
der AWACS-Maschinen hat begonnen
- Aachener NR: Verlegung in die Türkei
begonnen - "Pax Christi" blockiert Zufahrt
-
Junge Welt: AWACS-Flüge als »defensive Maßnahme«?
-
tagesschau: AWACS-Verlegung
Pressespiegel zur resist-Sitzblockade
vor der Rhein/Main-Airbase am 22.2.2003:
-
Main-Rheiner: "Sand im Getriebe sein"
-
tagesschau: Anti-Kriegs-Demonstrationen in Deutschland
-
Reuters: Rund 3000 Kriegsgegner bei Sitzblockade vor Rhein-Main-Air-Base
-
FR: Die Bewegung will nun Taten sehen
-
FR: Samstags auf dem Öko-Stroh
- FR: ANTIKRIEGS-DEMONSTRATION
-
Junge Welt: Nicht warten auf Tag X
- taz: Mit kaltem Hintern vor der Airbase
-
Report Mainz: Die neue Friedensbewegung - Strohfeuer oder Zeitenwende?
Pressespiegel resist-GoIn am Truppenübungsplatz
Grafenwöhr 1.2.2003:
Nordbayrische Nachrichten: Festnahmen
bei Demonstration gegen Irak-Krieg
Nürnberger Nachrichten: Zwischenfall am Truppenübungsplatz
Grafenwöhr
Pressespiegel resist-Sitzblockade am 25.1.2003
in Geilenkirchen:
taz: Vom Himmel hoch, da komm
ich her: Die AWACS und die Demos
Aachener Nachrichten: 400 Demonstranten
an der NATO-Airbase
Handelsblatt: Tausende demonstrieren
gegen Irak-Krieg
Pressespiegel resist-Pressekonferenz am 22.1.2003
in Berlin:
Frankfurter Rundschau: Aufruf
zum zivilen Ungehorsam
taz: Kritik an Struck
Badische Zeitung: Von der Antifa
bis zum Professor
Pressespiegel resist-Demonstration am 16.12.2002
an der Rhein/Main-Airbase:
ap: Erste Demonstration gegen
möglichen Irak-Krieg
Frankfurter
Rundschau: 500 demonstrieren gegen Krieg in Irak
taz: Auch Resist wird aktiv
WDR: Demonstration gegen Irak-Krieg
Neues Deutschland: Protest an
Bushs Base
junge welt: Gegen "Festung
Europa" und "Bush-Krieg"
Pressespiegel resist-Pressekonferenz am 12.12.2002
in Berlin:
WDR: Kampagne gegen Irak-Krieg
spiegel-online:
Irak-Konflikt
ap: Widerstand gegen drohenden
Irak-Krieg formiert sich Berlin
epd: Kampagne gegen Irak-Konflikt
gestartet
Frankfurter Rundschau: Blockade
gegen drohenden Irak-Krieg angekündigt
taz: "Legitimer Protest"
junge
welt: Resist heißt sich widersetzen
Neues Deutschland: Sitzenbleiben
gegen den Irak-Krieg
weitere Presseberichte zur Kampagne resist:
taz 30.12.2002:
3.600 Bürger wollen aktiv Widerstand leisteng
taz
17.1.2003: Der Speer kann auf eine Spitze verzichten - Grüne
Politik und Friedensbewegung
junge welt 17.1.2003: »Gegebenenfalls
desertieren« - Gespräch mit Elke Steven von
resist
Tagesspiegel, 15.2.2003:
Streitgespräch zwischen CSU-Abgeordetem Gauweiler und
Christoph Bautz, Pressesprecher von resist
- Tagesspiegel, 17.3.03: Der liebe
Frieden
- FAZ:
"Tag X" soll Tag des Protestes sein
-
Spiegel online: Augen zu und Finger hoch
Quelle: WDR Hörfunk Nachrichten,
12.12.02, 14 Uhr
Kampagne gegen Irak-Krieg
Friedens-Initiativen und Globalisierungs-Gegner wollen
gegen einen drohenden Irak-Krieg protestieren.
Die neu gegründete Initiative mit
dem Namen "resist" forderte die Bundesregierung auf, im Fall
eines Krieges den USA Überflug-Rechte und Nutzung ihrer Stützpunkte
zu verweigern. Außerdem müssten die Spürpanzer aus Kuwait
und die deutschen Besatzungen der NATO-Aufklärungs-Flugzeuge vom
Typ AWACS abgezogen werden. Für Samstag wurde zu Demonstrationen
vor dem US-Militärflughafen in Frankfurt und in anderen Städten
aufgerufen.
> nach oben
Quelle: spiegel-online.de,
12.12.02, 14 Uhr
Irak-Konflikt
Deutsche Kriegsgegner wollen US-Stützpunkt blockieren
Die deutsche Friedensbewegung plant erste Aktionen gegen
einen möglichen Krieg im Irak. Bei Demonstrationen wollen es die
Aktivisten im Ernstfall nicht belassen: Sollte der Krieg ausbrechen, wollen
sie die Rhein-Main-Airbase der US-Armee bei Frankfurt blockieren.
Berlin - Wie Sprecher der von Mitgliedern der Friedensbewegung gegründeten
Kampagne "resist - sich dem Irak-Krieg widersetzen" am Donnerstag
in Berlin erklärten, soll es am Samstag zu einer Demonstration an
der Rhein-Main-Airbase kommen. Zugleich kündigten sie eine umfassende
Sitzblockade vor dem Luftwaffenstützpunkt bei Kriegsbeginn sein.
Nach Angaben von "resist"-Sprecher Christoph Bautz haben bereits
mehr als 3000 Menschen durch ihre Unterschrift unter einen entsprechenden
Aufruf angekündigt, sich im Falle eines Irak-Kriegs nach ihren individuellen
Möglichkeiten an Aktionen des zivilen Ungehorsams zu beteiligen.
Täglich kämen bis zu 200 Unterschriften hinzu.
Christoph Ronnefeld vom Internationalen Versöhnungsbund nannte einen
Krieg gegen den Irak völkerrechts- und verfassungswidrig. Das Ziel,
so seine These, der USA sei nicht die Entwaffnung Iraks, sondern die Beseitigung
des Regimes. Nur so könnten die US-Ölkonzerne Zugang zu den
irakischen Ölfeldern erhalten, während europäische und
russische Konzerne bereits seit Jahren Verträge mit dem Irak hätten.
In dem Aufruf wird das irakische Regime wegen seiner zahlreichen Menschenrechtsverstöße
scharf verurteilt, ein Krieg jedoch wegen der katastrophalen Folgen für
die Zivilbevölkerung und die gesamte Region abgelehnt. Von der Bundesregierung
wird verlangt, den USA im Falle eines Angriffs auf den Irak die Überflugrechte
und die Nutzung der Militärbasen in Deutschland zu verweigern. Nach
dem Nato-Truppenstatut bedürften alle Truppenbewegungen der Zustimmung
des Gastlandes. Die in der Golfregion befindlichen deutschen Soldaten
und
Waffen müssten abgezogen und die deutschen Besatzungen der Nato-Aufklärungsflugzeuge
vom Typ Awacs zurückgezogen werden.
> nach oben
Quelle: ap, 12.12.02, 12:52 Uhr
Widerstand gegen drohenden Irak-Krieg formiert sich Berlin
(AP) Mit einer Demonstration vor der Rhein/Main-Airbase
der US-Armee bei Frankfurt will die deutsche Friedensbewegung am Samstag
erstmals öffentlich ihren Widerstand gegen einen drohenden Irak-Krieg
dokumentieren. Wie Sprecher der von Aktiven der Friedensbewegung gegründeten
Kampagne "resist - Sich dem Irak-Krieg widersetzen" am Donnerstag
in Berlin erklärten, soll die Demonstration zugleich die Ankündigung
einer umfassenden Sitzblockade vor
dem Luftwaffenstützpunkt bei Kriegsbeginn sein. Nach Angaben von
"resist"-Sprecher Christoph Bautz haben bereits mehr als 3.000
Menschen durch ihre Unterschrift unter einen entsprechenden Aufruf angekündigt,
sich im Falle eines Irak-Kriegs nach ihren individuellen Möglichkeiten
an Aktionen des zivilen Ungehorsams zu beteiligen. Täglich kämen
bis zu 200
Unterschriften hinzu. Christoph Ronnefeld vom Internationalen Versöhnungsbund
nannte einen Krieg gegen Irak völkerrechts- und verfassungswidrig.
Das Ziel der USA sei nicht die Entwaffnung Iraks, sondern die Beseitigung
des Regimes. Nur so könnten die US-Ölkonzerne Zugang zu den
irakischen Ölfeldern erhalten, während europäische und
russische Konzerne bereits seit Jahren Verträge mit Irak hätten.
In dem Aufruf wird das irakische Regime wegen seiner zahlreichen Menschenrechtsverstöße
scharf verurteilt, ein Krieg jedoch wegen der
katastrophalen Folgen für die Zivilbevölkerung und die gesamte
Region abgelehnt. Von der Bundesregierung wird verlangt, den USA im Falle
eines Angriffs auf Irak die Überflugrechte und die Nutzung der Militärbasen
in Deutschland zu verweigern. Nach dem NATO-Truppenstatut bedürften
alle Truppenbewegungen der Zustimmung des Gastlandes. Die in der Golfregion
befindlichen deutschen Soldaten und Waffen müssten abgezogen und
die
deutschen Besatzungen der NATO-Aufklärungsflugzeuge vom Typ AWACS
zurückgezogen werden. http://www.resistthewar.de
http://www.versoehnungsbund.de
> nach oben
Quelle: epd, 12.12.02
Kampagne gegen Irak-Konflikt gestartet
Berlin (epd). Mehrere deutsche Friedensorganisationen haben
Widerstand für den Fall eines Krieges gegen den Irak angekündigt.
Dazu sei eine neue Kampagne ,,resist" eingeleitet worden, sagte Clemens
Ronnefeldt vom deutschen Zweig des Internationalen Versöhnungsbundes
am Donnerstag dem epd in Berlin. Darin sollen sich möglichst viele
Menschen schriftlich zur Teilnahme an Demonstrationen und Protestaktionen
des zivilen Ungehorsams verpflichten.
Rund 3.000 Deutsche hätten bereits eine solche Erklärung abgegeben.
Getragen wird die Protest-Kampagne nach Angaben von Ronnefeldt von Vertretern
aus sieben Friedensorganisationen. Dazu zählten auch das Komitee
für Grundrechte und Demokratie, der Bund für Soziale Verteidigung,
der Internationale Versöhnungsbund und Attac. Durch breit gestreute
Unterschriftenlisten und die Möglichkeit der Online-Unterzeichnung
sollen
weitere Unterstützer gewonnen werden. Mit Nachdruck forderten die
Organisationen die Bundesregierung erneut auf, die Genehmigung der Überflugrechte
für US-Militärmaschinen zurückzunehmen.
Für den Kriegsfall seien massive Proteste vor US-Militäreinrichtungen,
US-Konsulaten und der US-Botschaft in Berlin geplant. Der 1914 gegründete
Internationale Versöhnungsbund zählt rund 100.000 Mitglieder
in rund 30 Staaten und hat Berater-Status bei den Vereinten Nationen.
> nach oben
Quelle: Frankfurter Rundschau,
13.12.02
Friedensbewegung
Blockade gegen drohenden Irak-Krieg angekündigt
BERLIN, 12. Dezember (ap). Mit einer Demonstration
vor der US-Airbase am Frankfurter Flughafen will die deutsche Friedensbewegung
am Samstag erstmals öffentlich ihren Widerstand gegen einen drohenden
Irak-Krieg dokumentieren. Wie Sprecher der von Aktiven der Friedensbewegung
gegründeten Kampagne "resist - Sich dem Irak-Krieg widersetzen"
am Donnerstag in Berlin erklärten, soll die Demonstration zugleich
die Ankündigung einer Sitzblockade vor dem Luftwaffenstützpunkt
bei Kriegsbeginn sein. Clemens Ronnefeld vom Internationalen Versöhnungsbund
nannte einen Krieg gegen Irak völkerrechts- und verfassungswidrig.
Das Ziel der USA sei nicht die Entwaffnung Iraks, sondern die Beseitigung
des Regimes. Nur so könnten die US-Ölkonzerne Zugang zu den
irakischen Ölfeldern erhalten, während europäische und
russische Konzerne bereits seit Jahren Verträge mit Irak hätten.
In dem Aufruf wird das irakische Regime wegen seiner Menschenrechtsverstöße
scharf verurteilt, ein Krieg aber wegen katastrophaler Folgen für
die Zivilbevölkerung und die gesamte Region abgelehnt. Von der Bundesregierung
wird verlangt, den USA im Falle eines Angriffs auf Irak Überflugrechte
und das Nutzen der Militärbasen in Deutschland zu verweigern.
> nach oben
Quelle: taz, 13.12.2002
"Legitimer Protest"
Erstmals seit gut zwanzig Jahren rufen deutsche Kriegsgegner wieder zu
zivilem Ungehorsam auf
BERLIN taz Eigentlich sollte die Sache klar sein: Längst hat sich
die Bundesregierung gegen eine deutsche Beteiligung an einem eventuellen
Irakkrieg ausgesprochen und dafür Unstimmigkeiten mit Bündnispartnern
in Kauf genommen. Doch das scheint vielen Kriegsgegnern nicht zu reichen:
"Man muss sich fragen, wie das Nein der Bundesregierung zum Krieg
tatsächlich gemeint ist", so Attac-Mitglied Christoph Bautz.
Sein Vorschlag, die Haltung der Bundesregierung auszutesten, lautet "ziviler
Ungehorsam" - eine Form des Protests, die es seit den Pershing-Zeiten
der 80er-Jahre nicht mehr gegeben hat.
Sollte es zum Krieg kommen, und nur dann, will das Einzelpersonenbündnis
"resist - sich dem Irak-Krieg widersetzen!" gewaltfreie Sitzblockaden
organisieren, unter anderem vor US-Militäreinrichtungen.
"Diese Form des Protests ist legitim, weil durch die Politik der
US-Regierung Menschen- und Völkerrecht verletzt wird", so Bautz.
Ebenso verstoße die Bundesregierung mit der Gewährung von Überflugrechten
gegen Artikel 26 des Grundgesetzes, dem zufolge die Mithilfe zur Vorbereitung
eines Angriffskrieges untersagt ist.
Rund 3.000 Unterstützer soll es für die Aktionen bereits geben
- was nicht verwunderlich ist, denn es genügt für Friedensaktivisten,
einen vorbereiteten Coupon einzuschicken, mit dem sie ihre Teilnahme erklären,
"soweit mir Ort und Zeit möglich sind", wie es dort heißt.
Vertreter unterschiedlichster Friedensgruppen haben sich in dem Bündnis
zusammengeschlossen, um die deutsche und die US-amerikanische Regierung
mit einer großen Kampagne gegen den Krieg unter Druck zu setzen.
Bautz legte aber Wert auf die Feststellung, dass es sich um ein Bündnis
von Einzelpersonen handele. "Das ist kein Aufruf von Institutionen."
Der erste Prüfstein für die Tauglichkeit des Bündnisses
ist allerdings eine gewöhnliche Demonstration: Morgen protestieren
die Kriegsgegner vor der US-amerikanischen Airbase in Frankfurt. "SEBASTIAN
STOLL
> nach oben
Quelle: junge welt, 13.12.02
Resist heißt sich widersetzen
Friedensgruppen um Attac wollen möglichen Krieg gegen den Irak nicht
ohne Gegenwehr hinnehmen
Die Friedensbewegung in der Bundesrepublik Deutschland
ist keineswegs tot, wie oft in den bürgerlichen Medien behauptet
wird. Ein möglicher Angriff der Vereinigten Staaten auf den Irak
werde auch in Deutschland auf Widerstand treffen, hieß es am Donnerstag
in Berlin. Kriegsgegner um das globalisierungskritische Bündnis ATTAC
wollen dann unter anderem mit
Sitzblockaden vor US-Einrichtungen in Deutschland reagieren, erklärte
ATTAC-Sprecher Christoph Bautz vor Journalisten in der Hauptstadt anläßlich
der Vorstellung einer Friedenskampagne. "Resist - Sich dem Irak-Krieg
widersetzen", heißt die Aktion, und allein der Name sagt einiges
über das Programm. Mit der Kampagne wollen die Friedensaktivisten
zudem bewußt an die Tradition des zivilen Ungehorsams in den achtziger
Jahren anknüpfen, so
Bautz. Geplant sei dabei auch eine Blockade der US-Airbase bei Frankfurt
am Main, die eine "entscheidende Drehscheibe für den US-amerikanischen
Truppenaufmarsch" im Falle eines Krieges sei. Nach Angaben der Organisatoren
der Kampagne haben bereits über 2500 Menschen schriftlich erklärt,
sich an den Antikriegs-protesten beteiligen zu wollen. Die Initiatoren
zeigten sich überzeugt davon, daß die Protestaktionen der Friedensgruppen
wegen der deutschen Zugeständnisse an die USA wieder stärkeren
Zulauf bekommen werden
als die Friedensdemonstrationen der jüngeren Vergangenheit. So sei
zu kritisieren, daß die Bundesregierung den USA Überflugrechte
gewähren wolle und den Einsatz von AWACS-Aufklärungsflugzeugen
mit deutschen Soldaten an Bord zugesichert habe, betonte Bautz. Außerdem
forderte er, daß die Bundesregierung den Bündnisfall aufkündigen
müsse und von der proklamierten "uneingeschränkten Solidarität"
abrücke. Auf die derzeit in der öffentlichen
Debatte bemühten Spitzfindigkeiten, daß es einen erheblichen
Unterschied mache, ob ein möglicher Krieg mit oder ohne UN-Mandat
geführt würde, wollten sich die Friedensaktivisten nicht einlassen:
"Solch ein Angriffskrieg ist durch nichts zu legitimieren, auch nicht
bei einem UN-Mandat", erklärte der ATTAC-Sprecher. Bereits am
kommenden Sonnabend soll es vor der US-Airbase in Frankfurt am Main und
in anderen Städten Demonstrationen geben. Geplant sind den Organisatoren
zufolge zudem Demonstrationen anläßlich der NATO-Sicherheitskonferenz
am 8.Februar in München und eine Großkundgebung am
15. Februar in Berlin. (AFP/jW)
> nach oben
Quelle: Neues Deutschland, 13.12.02
Friedensbewegung
Sitzenbleiben gegen den Irak-Krieg
Die Kampagne Resist plant den zivilen Ungehorsam vor US-Militärbasen
Von Uwe Kalbe
"Resist" heißt widerstehen.
Mit diesem Namen haben sich Personen aus verschiedenen Friedens- und Menschenrechtsvereinen
zusammengeschlossen, um Widerstand gegen einen drohenden Krieg gegen Irak
zu organisieren. Dem Aufruf zum zivilen Ungehorsam haben sich bisher 3100
Menschen mit ihrer Unterschrift angeschlossen. Schon jetzt übernehmen
sie damit die demonstrative Selbstverpflichtung, sich am Protest in Form
von Sitzblockaden vor US-Militärbasen und anderen Einrichtungen der
Vereinigten Staaten in Deutschland zu beteiligen - so gut es ihre aktuellen
Bedingungen dann erlauben. Die zentrale Blockade soll dabei der US-Air-Base
in Frankfurt/Main gelten, einer logistischen Drehscheibe des Aufmarsches
gegen Irak, wie Christoph Bautz, einer der Initiatoren und zugleich im
Bundesbüro von Attac aktiv, am Donnerstag in Berlin vor Journalisten
erklärte. Gedacht werde aber auch an Aktionen in Ramstein oder Emden.
Bereits für das nächste Wochenende ist mit einer Demonstration
vor der US-Basis in Frankfurt und parallelen Veranstaltungen, etwa in
Berlin, ein erster Test geplant. Natürlich handelt es sich um symbolischen
Protest, wie Christoph Bautz und Clemens Ronnefeldt, Sprecher des deutschen
Zweiges im Internationalen Versöhnungsbund, deutlich machten. Jedoch
halten sie diesen Protest nicht nur für legitim, sondern geboten.
Drohten mit dem Krieg doch schwere Verletzungen von Menschenrechten, des
geschriebenen Völkerrechts und nicht zuletzt des deutschen Grundgesetzes.
Außerdem, so machte Clemens Ronnefeldt deutlich, bereiten den Gründern
von Resist, die sich im August zum ersten Mal zusammensetzten und eine
ganze Anzahl verschiedener aktiver Gruppen in Deutschland repräsentieren,
die eigentlichen Hintergründe der Militärplanungen der USA große
Sorge, Hier gehe es nicht um die Erzwingung von Abrüstung, sondern
um einen Regimewechsel in Bagdad, der geostrategische Hintergründe
hat. Deutschland drohe nicht nur indirekt durch die Gewährung von
Überflugrechten in diesen Krieg hinengezogen zu werden, sondern es
drohe eine direkte Beteiligung durch den Einsatz von AWACS-Besatzungen
und die Fernaufklärungseinheiten im Roten Meer sowie die Spürpanzer
in Kuweit sei abzusehen, machte Clemens Ronnefeldt deutlich. Bundesaußenminister
Joschka Fischer (Grüne) habe zudem durch seine zweideutigen Äußerungen
über militärische Maßnahmen schon auf der Basis der derzeit
gültigen UN-Resolution 1441 dem Druck der USA nachgegeben und nicht
nur Bemühungen Frankreichs torpediert, sondern der europäischen
Außen- und Sicherheitspolitik einen "Bärendienst erwiesen".
Zugleich beobachtet Resist hoffnungsvoll eine zunehmende Sensibilisierung
der deutschen Bevölkerung und Ablehnung einer solchen Kriegsbeteiligung.
Davon zeugten nicht nur Umfragen wie die des Forsa-Instituts, die eine
Ablehnung des Krieges durch 71 Prozent der Befragten ergab, sondern auch
die Tatsache, dass die Wiederwahl der Bundesregierung erst nach deren
Bekenntnis gegen eine solche Kriegsbeteiligung gesichert werden konnte,
wie Ronnefeldt hervorhob. Die Resist-Initiatoren stehen für eine
beachtliche Breite der Bewegung. Sie repräsentieren Organisationen
wie den Internationalen Versöhnungsbund, das Netzwerk Attac, das
Komitee für Grundrechte und Demokratie, Friedenskooperative und viele
andere. Große Aktionen sind Anfang des nächsten Jahres geplant,
der Zeit, in der viele Fachleute den Beginn des Krieges befürchten.
Am 5.Februar ist der vorläufige Höhepunkt der Proteste gep
lant. Dann soll Berlin die Kulisse für eine Massenkundgebung als
Teil internationaler Demonstrationen bieten.
Die Zahl der Unterstützer soll dann deutlich angewachsen sein. Auf
deren wachsendes Engagement baut Resist, um ein Mittel der Friedensbewegung
aus vergangenen Jahrzehnten neu zu etablieren. Doch obwohl viele der einstigen
Aufständler heute in Regierungsverantwortung sitzen, hegt Christoph
Bautz nur wenig Hoffnung in die Unterstützung durch Parlamentsparteien.
Auch wenn auf diese in der nächsten Zeit stärker zugegangen
werden soll. Bisher finden sich
unter den bekennenden Sitzblockierern lediglich Führungspolitiker
der PDS.
In einer Erklärung hat am Donnerstag auch der Aachener Friedenspreis
seine "entschiedene Ablehnung eines drohenden Krieges gegen den Irak
zum Ausdruck" gebracht. Die Bürgerinitiative aus der Aachener
Friedensbewegung verweist dabei auf einen gemeinsamen Appell mit dem DGB,
in dem zum Protest gegen die Kriegsvorbereitungen aufgerufen wird. Auch
eine Delegiertenversammlung von Pax christi hatte sich gegen jede Beteiligung
Deutschlands daran ausgesprochen.
(ND 13.12.02)
> nach oben
Quelle: ap, 14.12.02, 14 Uhr
Erste Demonstration gegen möglichen Irak-Krieg
Frankfurt/Main (AP) Mit einer Demonstration vor der Rhein-Main-Airbase
am Flughafen Frankfurt am Main hat die deutsche Friedensbewegung am Samstag
ihre Kampagne gegen einen drohenden Krieg in Irak gestartet. Zu der Aktion
versammelten sich am Nachmittag etwa 300 Kriegsgegner aus dem ganzen Bundesgebiet.
Zu den Initiatoren der Kampagne "resist - sich dem Irakkrieg widersetzen"
gehören mehrere Friedensinitiativen. Darunter ist auch das
Bundesbüro der Globalisierungsgener Attac.
In ihrem Aufruf haben die Aktivisten für den Kriegsfall eine große
Sitzblockade vor dem US-Luftwaffenstützpunkt bei Frankfurt angekündigt.
Die rot-grüne Regierung wurde aufgefordert, den USA und Großbritannien
keine Überflugrechte und keine Nutzung von Flughäfen auf deutschem
Boden für eine Kriegsführung zu erlauben.
Der Luftwaffenstützpunkt gilt als logistische Drehscheibe für
einen möglichen Truppenaufmarsch am Persischen Golf. Weitere Demonstrationen
waren am Samstag vor den US-Stützpunkten in Spangdahlem bei Trier
und in Ramstein geplant. Auch in Berlin war für den Nachmittag eine
Demonstration angekündigt.
http://www.resistthewar.de/
> nach oben
Quelle: Frankfurter Rundschau, 16.12.02
FLUGHAFEN
500 demonstrieren gegen Krieg in Irak
Rund 500 Menschen haben am Samstag nachmittag vor der Airbase
- im
Süden des Rhein-Main-Flughafens - an einer Kundgebung der
Friedensbewegung teilgenommen. Die Veranstalter, die sich unter dem
Namen "resist" zusammengeschlossen haben, wandten sich gegen
einen
drohenden Krieg in Irak. Sie forderten die Bundesregierung auf, den
USA und Großbritannien im Kriegsfalle keine Überflugrechte
zu gewähren
und Flughäfen auf deutschem Boden für Kriegshandlungen zu sperren.
Die
Demonstranten kündigten im Falle eines Angriffs auf Irak eine
Sitzblockade vor der Airbase an.
Der Gießener Psychoanalytiker Horst-Eberhard Richter verlangte bei
der
Kundgebung mehr Widerstand der Öffentlichkeit gegen die Kriegspläne
der USA. "Wenn wir schweigen, bedeutet dies Verrat an der
Menschlichkeit." Dem US-Präsidenten gehe es tatsächlich
nicht um die
Demokratie in Irak, sondern um die Ölvorräte in dem Land. Er
wolle
durch einen Krieg gegen Saddam Hussein die patriotische Stimmung in
den Vereinigten Staaten aufrecht erhalten, um damit die Chancen für
seine Wiederwahl zu verbessern, meinte der Redner. lhe / habe
> nach oben
Quelle: taz, 16.2.02
GEGEN IRAKKRIEG II
Auch Resist wird aktiv
Auch das Friedensbündnis Resist hat am
Samstag seine Protestaktionen gegen einen möglichen Irakkrieg gestartet.
Rund 600 Demonstranten versammelten sich vor der US-Airbase bei Frankfurt,
die als Drehscheibe für einen Truppenaufmarsch am Persischen Golf
gilt. (afp)
taz Nr. 6931 vom 16.12.2002, Seite 7, 12 Zeilen (Agentur)
> nach oben
Quelle: WDR-Hörfunknachrichten, 14.12.02, 15
Uhr
Demonstration gegen Irak-Krieg
Mit einer Demonstration vor der Rhein-Main-Airbase am Flughafen
Frankfurt hat die deutsche Friedensbewegung ihre Kampagne gegen einen
Irak-Krieg gestartet. Zu der Aktion versammelten sich am Nachmittag etwa
300 Kriegsgegner aus dem Bundesgebiet. Zu den Initiatoren des Protestes
unter dem Motto "resist - sich dem Irakkrieg widersetzen" gehören
mehrere Friedensinitiativen und das Bundesbüro der Globalisierungsgener
Attac.In ihrem Aufruf haben die Aktivisten für den Kriegsfall eine
große Sitzblockade vor dem US-Luftwaffenstützpunkt bei Frankfurt
am Main angekündigt. Die rot-grüne Regierung wurde aufgefordert,
den USA und Großbritannien keine Überflugrechte und keine Nutzung
von Flughäfen auf deutschem Boden für eine Kriegsführung
zu erlauben. Die Rhein-Main-Airba
se gilt als Drehscheibe für einen möglichen Truppenaufmarsch
am Persischen Golf.
> nach oben
Quelle: Neues Deutschland, 16.12.02
Protest an Bushs Base
Demo in Frankfurt (Main) gegen Angriffspläne
Von Thomas Klein, Frankfurt (Main)
Etwa 500 Menschen demonstrierten am Samstag vor der US-Air-Base des Rhein-Main-Flughafens
gegen die laufende Kriegsvorbereitung. Die Forderungen "Sofortiger
Rückzug der Bundeswehr aus der Golfregion" und "Keine Nutzung
der US-Militärbasen in Deutschland als Aufmarsch- und Nachschubstützpunkte"
hatte sich ein breites Bündnis unterschiedlicher
Organisationen auf die Fahnen geschrieben. Im Rahmen einer eigens unter
dem Namen "resist" ins Leben gerufenen Kampagne wird bereits
seit einigen Monaten eine Erklärung verbreitet, in der - im Fall
eines Krieges - zu Aktionen des zivilen Ungehorsam aufgerufen wird.
Clemens Ronnefeldt, Referent beim deutschen Zweig des Internationalen
Versöhnungsbundes und Sprecher von "resist", zeigte sich
am Samstag zufrieden über bisherige Reaktionen. Und auch über
den Zuspruch der Samstagsaktion vor der Air-Base in Frankfurt (Main).
Die Teilnehmer der Kundgebung hätten schon jetzt eines deutlich gemacht:
Sollte es zu einem Krieg gegen Irak kommen, werde es am gleichen Ort,
aber auch an anderen militärisch und logistisch
bedeutsamen Stellen Sitzblockaden geben.
Harsche Kritik an der US-Regierung war allen Reden gemeinsam. Professor
Andreas Buro, friedenspolitischer Sprecher des Komitees für Grundrechte
und Demokratie, erklärte: "Die USA maßen sich heute eine
global-imperiale Rolle an." Immer offenkundiger sei, dass ihr angeblich
anti-terroristischer Kampf vorrangig wirtschafts-, energie- und militärpolitische
Ziele habe. Dabei missachteten sie internationales Recht. Doch darüber
dürfe nicht vergessen werden, dass bei allem Zorn über die Politik
der Bush-Regierung die NATO-Partner Spießgesellen der USA "und
viele Staaten der heuchlerisch so genannten Anti-Terror-Allianz selbst
Staatsterroristen" seien.
Auch mit der rot-grünen Regierung ging Buro hart ins Gericht. Man
dürfe nicht übersehen, dass Schröder und Fischer sich bei
der Diskussion über die Resolution im Sicherheitsrat vor allem gegen
einen Automatismus zum Krieg gewehrt hätten. Wenn Berlin eine tatsächlich
konsequente Haltung gegen den Krieg einnehmen wolle, müssten "Fuchs
und Flotte aus Nahost zurückgezogen werden". Und warum, so Buro,
verweigere Berlin den USA nicht die Nutzung der Infrastruktur in Deutschland?
Auch Horst-Eberhard Richter von der Ärzteorganisation IPPNW findet
es notwendig, Druck auf die herrschende Politik auszuüben. Wichtig
sei dabei, dass die Mehrheit der Menschen, die ja gegen einen Krieg sei,
ihren Protest auf die Straße trage. "Wenn wir schweigen, bedeutet
dies einen Verrat an Menschlichkeit", so Richter.
Zeitgleich fanden auch an den beiden rheinland-pfälzischen US-Luftwaffenstützpunkten
Ramstein und Spangdahlem Protestaktionen gegen den Irak-Krieg und die
geplante Erweiterung dieser beiden US-Air-Basen statt. An einer Mahnwache
in Ramstein beteiligten sich 50, an einer Protestaktion an der Air-Base
Spangdahlem nahmen 100 Personen teil. Über 1000 Menschen protestierten
haben am Samstag in Berlin gegen einen möglichen Irak-Krieg.
Sie forderten, einem militärischen Alleingang der USA und Großbritanniens
jegliche Unterstützung zu verweigern und völkerrechtswidrige
Handlungen" von deutschem Boden aus nicht zu tolerieren.
(ND 16.12.02)
> nach oben
Quelle: junge welt, 16.12.2002
Ausland
ChristianGiacomuzzi / Rüdiger Göbel / Thomas Klein
Gegen "Festung Europa" und "Bush-Krieg"
Zehntausende bei Demonstrationen in Kopenhagen und Genua. Geringere Resonanz
in Deutschland
Europaweit fanden am Wochenende Proteste gegen
den drohenden Irak-Krieg statt. Einen Tag nach Abschluß des EU-Gipfels
demonstrierten am Sonnabend in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen
rund 20000 Globalisierungskritiker gegen die "Festung Europa",
neoliberale Wirtschaftspolitik der Europäischen Union und den von
US-Präsident George W. Bush forcierten Waffengang am Golf.
Zeitgleich protestierten in der italienischen Hafenstadt Genua rund 40000
Globalisierungskritiker gegen Bushs Kriegspläne. Vorrangig forderten
sie allerdings die Aufklärung der Polizeigewalt während der
Proteste gegen den G-8-Gipfel in Genua vor eineinhalb Jahren. In Paris
haben sich am Sonnabend nachmittag nach Angaben der Veranstalter 10000
Menschen an einer Protestkundgebung gegen einen US-Angriff auf Irak beteiligt,
zu der rund vierzig französische Menschenrechtsvereinigungen, Parteien
und
Friedensorganisationen aufgerufen haben. Angeführt wurde der Protestzug
vom
ehemaligen Innenminister und Präsidentschaftskandidaten Jean-Pierre
Chevenement, Chef der linksnationalistischen Bewegung "Pole republicain".
Der Politiker marschierte hinter einem Spruchband mit der Aufschrift:
"Nein zum Krieg im Irak, Gerechtigkeit und Frieden im Nahen Osten".
In Deutschland hatte die Friedensbewegung am Sonnabend zu einem Aktionstag
aufgerufen. Allerdings war die Resonanz an dem vorweihnachtlichen Einkaufstag
eher
gering. In Berlin sind bei klirrender Kälte nur gut 2000 Kriegsgegner
auf die Straße gegangen. Antikriegsschilder von Linksruck sowie
Parteifahnen von Bündnis 90/Die Grünen prägten die knapp
zweistündige Manifestation. Die Demonstration in der City-West, zu
der das Bündnis "Achse des Friedens" aufgerufen hatte,
war zunächst von der Versammlungsbehörde wegen "drohen
der Belastungen für den Verkehr und den Einzelhandel" untersagt
worden. Das
Verwaltungsgericht Berlin hatte am Freitag abend das Verbot unter Auflagen
aufgehoben. Vor der Rhein-Main-Air-Base des Frankfurter Flughafens protestierten
derweil etwa 500 Menschen gegen einen drohenden Irak-Krieg. Auf dem Weg
vom Treffpunkt der Flughafenanrainer-Gemeinde Zeppelinheim bis zur Air-Base
hatten sich hinter dem Fronttransparent "Nein zum Irak-Krieg - Widerstand
ist möglich" Demonstranten verschiedener Organisationen und
Gruppen versammelt: Fahnen und Plakate der Deutschen Friedensgesellschaft
DFG-VK, des globalisierungskritischen Netzwerkes ATTAC, aber auch von
Bürgerinitiativen gegen den Ausbau des Frankfurter Flughafens prägten
das Bild. Bei Kriegsbeginn will die Kampagne "resist - Sich dem Irakkrieg
widersetzen" am gleichen Ort eine große Sitzblockade organisieren.
Elke Steven, vom Komitee für Grundrechte und Demokratie und "resist"-Pressesprecherin,
betonte am Sonnabend vor der Air-Base, der vorgebliche Kampf um Menschenrechte,
Demokratie und Freiheit werde mit Gewalt, Nationalismus und Ungerechtigkeit
geführt. Die herrschende Doppelmoral zeige sich u. a. daran, daß
die Führung im Irak aufgrund ihrer Unterdrückung kritisiert
werde. "Diejenigen jedoch, die davor fliehen und
bei uns Schutz suchen, haben kaum eine Chance, Asyl zu erhalten. Die Anerkennungsquote
ist angesichts des Krieges gar noch gesunken". Zeitgleich zur Kundgebung
in Frankfurt fanden auch an den beiden rheinland-pfälzischen US-Luftwaffenstützpunkten
Ramstein und Spangdahlem Protestaktionen gegen den drohenden Irak-Krieg
und die geplante Erweiterung dieser zwei US-Air-Basen statt.
> nach oben
Quelle taz, 30.12.02
Prinzipielles Nein
Ostdeutsche Lokalpolitiker gegen jegliche Beteiligung an Irakkrieg. 3.600
Bürger wollen aktiv Widerstand leisten
BERLIN taz Kanzler Gerhard Schröder (SPD)
wird jetzt auch von ostdeutschen Lokalpolitikern an seinen Wahlversprechen
gemessen. Rund 500 Abgeordnete lokaler Parlamente und ebenso viele Bürger
haben bislang den so genannten Prignitzer Appell unterzeichnet. In dem
offenen Brief an den Kanzler fordern sie ein "prinzipielles Nein"
zu jedweder Beteiligung an einem Krieg gegen den Irak. Den USA dürften
keine Überflugrechte gestattet werden, im Kriegsfall müssten
die deutschen Spürpanzer aus Kuwait abgezogen werden. "Selbst
wenn es einen UNO-Beschluss geben sollte, können wir die amerikanische
Großmachtpolitik nicht nachvollziehen", sagte Appell-Koordinatorin
Ramona Dittrich (PDS) zur taz. Unterschrieben haben Politiker von PDS,
aber auch von SPD, CDU und Grünen zumeist aus Brandenburg und Thüringen.
Neuen Zuwachs meldet auch die bundesweite Kampagne "Resist the War".
Die Initiatoren haben inzwischen 3.600 persönliche Erklärungen
gesammelt, in denen sich Bürger zu Widerstand wie Sitzblockaden vor
US-Einrichtungen verpflichtet haben, sollte es zu einem Krieg kommen.
"Die Friedensbewegung muss die Ideologie vom gerechten Krieg aktiv
bekämpfen", so Andreas Buro vom Komitee für Grundrechte
und Demokratie. Geplant ist eine Demo am 8. Februar gegen die Nato-Konferenz
in München und am 15. Februar eine bundesweite Friedensdemo in Berlin.
"M. BRAUN/TH. KLEIN
> nach oben
Quelle: taz, 17.12.03
Der Speer kann auf eine Spitze verzichten
Die Friedensbewegung reagiert skeptisch auf die Antikriegsresolution der
Grünen: Man könne nicht gegen den Krieg sein und ihn "hintenrum"
unterstützen. Zudem fürchtet die Bewegung um ihren basisdemokratischen
Charakter
BERLIN taz Der Versuch der grünen Partei, Regierungspartei und gleichzeitig
"Speerspitze" der außerparlamentarischen Oppositionen
gegen einen möglichen Irakkrieg zu sein, ist in der Friedensbewegung
zunächst auf Skepsis gestoßen. Den Grünen gehe es darum,
"die Menschen zu mobilisieren", sagte Parteichef Reinhard Bütikofer,
nachdem der Parteirat sich am Montag auf eine Antikriegsresolution verständigt
hatte. Nun löst das grüne Ansinnen, die Friedensbewegung zu
umarmen, bei den Aktivisten weniger Freude als Zweifel und Abwehrreflexe
aus.
"All das ist sehr unstet."
"Die Initiative halte ich für völlig unglaubwürdig",
sagte Philipp Hersel vom Attac-Koordinierungskreis zur taz. In den letzten
vier Jahren hätten sich die Grünen nicht als Friedenspartei
profiliert. Bei den Themen Kosovo und Afghanistan habe sich gezeigt, dass
die Partei "nicht Teil der Friedensbewegung" sei.
"Eine kriegskritische Haltung ist bei den Grünen bisher kaum
sichtbar geworden", kritisiert auch Christoph Bautz, Sprecher der
Initiative "Resist the war". Die letzten Wochen hätten
gezeigt, dass die Regierung schwanke. "All das ist sehr unstet",
sagte Bautz. Schon beim Thema Globalisierungskritik hätten die Grünen
nach Genua versucht, die außerparlamentarische Opposition zu umarmen.
"In der Regierungspolitik hat sich das später wenig niedergeschlagen",
kritisiert Bautz. Dennoch sagt der Aktivist: "Ich kann mir durchaus
eine Kooperation vorstellen." Auch für die Grünen gebe
es Arbeit in der Antikriegsfront. Nur nicht die, die sie jetzt laut Parteiratsbeschluss
gern übernehmen würden. "Die Grünen müssten,
wenn sie dabei sein wollen, unsere Forderungen ins Parlament und in die
Regierung tragen", fordert Bautz. Es wäre "sinnvoll",
sich die Arbeit zu teilen.
Allerdings fürchten die Friedensaktivisten um den basisdemokratischen
Charakter ihrer Bewegung, sollten die Grünen wirklich Ernst machen
mit dem Spagat zwischen regieren und protestieren. "Einem locker
organisierten Zusammenschluss tut eine Partei an der Spitze nicht unbedingt
gut", denkt Philipp Hersel. Er würde sich freuen, wenn die Regierung
täte, was die Bewegung fordert. "Doch ich bezweifle, dass Grüne
und Friedensbewegung das Gleiche denken", sagte Hersel der taz.
Lange Wunschliste
Da hat er nicht ganz Unrecht. Zwist wäre in der von den Grünen
angestrebte Phalanx unvermeidbar. Denn die Wunschliste der Friedensbewegten
ist lang: Abzug der Spürpanzer aus Kuwait, den Amerikanern kein Nutzungsrecht
für ihre Stützpunkte in Deutschland, keine Überflugrechte
für alliierte Flugzeuge, keine deutschen Soldaten in Awacs-Aufklärern.
"Seit einem Jahr schon liegen unsere Forderungen auf dem Tisch",
pariert Peter Strutynski, Sprecher des Bundesausschusses Friedensratschlag,
die grüne Pazifismusoffensive. Man könne nicht gegen den Krieg
sein und ihn "hintenrum" unterstützen. Seiner Meinung nach
wünsche sich dies auch die grüne Basis. "Viele Grüne
arbeiten in der Friedensbewegung mit", sagte Strutynski.
Eine erste Gelegenheit zu beweisen, wie sie das mit ihrer Parteiratsresolution
meinen, haben die grünen Parteistrategen schon in anderthalb Wochen.
In bester friedensbewegter Tradition ruft die Kampagne "Resist the
war" am 25. Januar zu Sitzblockaden vor dem Nato-Stützpunkt
Geilenkirchen auf.
Bisher haben bei "Resist" 4.000 Menschen unterschrieben, dass
sie an solchen Aktionen teilnehmen wollen. Noch anderthalb Wochen haben
die beiden Grünenchefs Beer und Bütikofer Zeit, auch ihre Namen
auf die Liste zu setzen.
MATTHIAS BRAUN
>
nach oben
Quelle: jw, 17.1.2003
»Gegebenenfalls desertieren«
jW-Wochenend-Gespräch mit der Soziologin Elke Steven über den
drohenden Irak-Krieg und die Vorbereitungen der Friedensbewegung, die
Erosion des Völkerrechts und die Renaissance des Faustrechts * Elke
Steven arbeitet in Köln im Sekretariat des Komitees für Grundrechte
und Demokratie, und ist Pressesprecherin der Kampagne »resist
sich dem Krieg widersetzen«. Die Kampagne kündigt für
den Fall eines Krieges gegen den Irak Aktionen des zivilen Ungehorsams
an. Die unter anderem von Vertretern des Internationalen Versöhnungsbundes,
des Bundes für soziale Verteidigung, des Komitees für Grundrechte
und Demokratie und des ATTAC-Bundesbüros initiierte Kampagne setzt
sich dafür ein, den USA und Großbritannien Überflugsrechte
und die Nutzung von Militärbasen und Flughäfen in Deutschland
für die Kriegsführung zu untersagen. Außerdem sollen alle
Bundeswehrtruppen aus der Golfregion abgezogen und das UN-Embargo gegen
den Irak aus humanitären Gründen aufgehoben werden. Infos: www.resistthewar.de,
Tel.: 0228/ 692904
F: Sie haben in einer Rede auf einer Protestkundgebung
gegen den Irak-Krieg vor der US-Air-Base des Frankfurter Flughafens Mitte
Dezember davon gesprochen, daß in den nächsten Wochen Widerstand
nötiger denn je sei und der entsprechende politische Druck erheblich
wachsen müsse. Das klingt nicht, als hätten Sie große
Hoffnungen, daß der Krieg noch verhindert werden kann.
Zumindest laufen die Vorbereitungen ja weiterhin mit Hochdruck. Daran
ändern weder die Irak-Resolution des UN-Sicherheitsrates etwas, noch
die unbehinderte Waffeninspektion im Irak, noch das umfangreiche Dossiers
des Irak über militärische Planungen und dual-use Produkte und
Produktionen.
Dieser Krieg wird ganz konkret mit Truppenaufmärschen, mit der Zerstörung
irakischer Militäranlagen, dem Bau von Basen und dem Anlegen von
Munitionsdepots für einen eventuellen Bodenkrieg vorbereitet. Irakische
Kurden werden trainiert und Schiiten zum Kampf gegen Bagdad ausgebildet.
F: Die Bush-Regierung beutet zum Teil recht erfolgreich die Folgen des
11. Septembers aus, um sich eine Legitimation für den gewünschten
Regimewechsel in Bagdad zu zimmern. Ist es nicht eine Schwäche der
Antikriegsproteste, dieser Propaganda so wenig entgegenzusetzen?
Zunächst einmal möchte ich festhalten, daß in der Folge
des 11. Septembers auch das undemokratische Gebaren der Mächtigen
dieser Welt immer deutlicher zu Tage tritt. Die Welt wurde seitens der
dominierenden Mächte eingeteilt in Gut und Böse, in Freund und
Feind. Diese Zweiteilung der Welt, in der es kein Drittes mehr gibt, widerspricht
dem demokratischen Gedanken der Pluralität, der Meinungsfreiheit,
des Schutzes der Rechte von Minderheiten.
Burgfrieden statt Meinungsstreit, Subalternität statt selbstbewußter
Interessenwahrung bestimmen das Verhältnis zur einzig verbliebenen
Weltmacht. Und offenbar soll ähnliches Verhalten insgesamt das Verhältnis
zwischen Mächtigen und Ohnmächtigen bestimmen.
Der New Yorker Bürgermeister Giuliani formulierte es in seiner Ansprache
an die Vereinten Nationen am 1. Oktober 2001 so: »Ihr seid entweder
für die Zivilisation oder für die Terroristen. Auf der einen
Seite gibt es Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Respekt für menschliches
Leben; auf der anderen Seite die Tyrannei, willkürliche Hinrichtungen
und Massenmord.«
Das sind Verdrehungen in Orwellscher Manier, die nicht nur die Verstöße
gegen internationales Recht durch die USA und die anderen westlichen Staaten
leugnen, sondern auch die Zustände in den eigenen Länder schönreden.
Aber das wird durchaus von vielen in der Friedensbewegung auch so benannt.
F: Ist das eine Kritik an den gesellschaftlichen Bedingungen, der realen
Situation in den USA und den westlichen Staaten, die vor allem am gern
verwendeten Begriff »Demokratie« Anstoß nimmt?
Nun, Demokratie, menschenrechtliche Rechtsstaatlichkeit und Respekt für
menschliches Leben wären grundlegende Voraussetzungen für Frieden.
Sie werden jedoch durch die mächtigen Staaten dieser Welt nicht garantiert,
sondern mit Füßen getreten.
Fakt ist: Die Kriegsunterstützung wird durch finanzielle Mittel gekauft
und erpreßt, und die irakischen Dokumente über Waffen und dual-use
Programme werden den Vereinten Nationen geraubt. Der Sicherheitsrat wird
solange unter Druck gesetzt, bis die Mitglieder einer vielfältig
interpretierbaren Resolution zustimmen.
F: Selbst bürgerliche und konservative Kreise sehen, daß die
vorgebrachten Menschenrechtsargumente und die eigentlichen Motive zweierlei
Dinge sind. Ist das nicht ein Schwachpunkt, den die Fiedensbewegung besser
nutzen müßte, an dem die vermeintliche Legitimation für
den Krieg wie ein Kartenhaus zum Einsturz gebracht werden könnte?
Richtig ist, daß der vorgebliche Kampf um Menschenrechte, Demokratie
und Freiheit mit Gewalt, Unterordnung, Nationalismus und Ungerechtigkeit
geführt wird. Aber nicht eine fehlende Demaskierung der Mächtigen
durch die Benennung ihrer Beweggründe, den Krieg zu führen,
ist das Problem, sondern daß die Bush-Regierung davon unbeeindruckt
an ihrem Kriegskurs festhält.
F: Erleben wir in der internationalen Politik eine Rückkehr zum Faustrecht,
zum Recht des Stärkeren?
Ganz klar. Ein solcher Krieg widerspräche nicht nur den Menschenrechten,
die für alle Menschen und nicht nur für »die Guten«
gelten. Bei einem Angriff auf den Irak kämen auch Völkerrecht
und die UN unter die Räder. Die USA und ihre Gefolgsleute aus den
reichen Staaten können sich nur auf das Recht des Stärkeren
berufen, was immer Unrecht gewesen ist. Bezogen auf die Situation in Deutschland:
Das Grundgesetz verbietet ausdrücklich die Unterstützung und
Beteiligung an einem Angriffskrieg und stellt solche Handlungen sogar
unter Strafe (Artikel 26 GG).
F: Das erste Opfer eines jeden Krieges ist die Wahrheit. Was kommt da
auf uns zu, wenn künftig die Außenpolitik eine wichtige militärische
Komponente bekommt und staatliche Informationspolitik für die jeweiligen
militärischen Interventionen die Legitimationsbasis schaffen soll?
Die Folgen liegen auf der Hand: Kriegspolitik ist Geheimpolitik. Während
Demokratie die Möglichkeit erfordert, Informationen zu prüfen,
staatliches Handeln zu kontrollieren und oppositionelle Meinungen vorbringen
und diskutieren zu können, wird in den kriegsführenden Ländern
die Öffentlichkeit mit selektiven Geheimdienstdossiers gefüttert.
Und natürlich bekommen die Bürgerinnen und Bürger nur das
vorgesetzt, was den Interessen und Zielen der Dienste dient.
Die auf Herrschaft und Dominanz orientierte und auf ökonomischer
und militärischer Gewalt beruhende Außenpolitik wird unmittelbar
wirksam auch in der nationalstaatlichen Innenpolitik. Es entsteht eine
Tendenz zur diskursiven Gleichsetzung von Krieg und Kriminalität
und innerer und äußerer Sicherheit. Entsprechend mehren sich
die Vorschläge, die Bundeswehr auch im Inneren gegen die Bürger
und Bürgerinnen einzusetzen.
F: Sie sprachen die Gefahr an, daß die konstruierte Zweiteilung
der Welt ihre Entsprechung in der Innenpolitik findet. Können Sie
dafür Beispiele nennen?
Die allgemeine Tendenz lautet: Kritiker, vor allem aber die von der Gesellschaft
Marginalisierten, werden zu »Feinden« erklärt und ihrer
Rechte beraubt. Die von der Gesellschaft Ausgegrenzten und an den Rand
Gedrängten werden verdächtig und zu Opfern der neu-alten Sicherheitspolitik.
Seit den Anschlägen in New York und Washington sind zum Beispiel
Einwanderer und Flüchtlinge in noch größerem Maße
als bisher von Kontrollen, Fahndungen, Überwachungen und Festnahmen
betroffen. Gegenüber Menschen, die als direkte oder indirekte Opfer
der weltweit konkurrierenden Wirtschaftsinteressen in den westlich-reichen
Staaten Schutz und Hilfe suchen, gilt nur noch die Arroganz der Habenden:
Sie werden an den Grenzen gejagt, jede Einreise und das Stellen eines
Asylantrages soll verhindert werden, und der Rest wird »erleichtert«
ausgewiesen.
F: Im Umkehrschluß heißt das: Ein Eintreten für nicht-militärische
Konfliktlösungen muß aktuell nicht nur die Politik der Bush-Regierung
ins Visier nehmen, sondern auch die innenpolitischen Veränderungen
thematisieren, also die Wechselbeziehung zwischen einer sich auf »militärische
Lösungen« stützende Außenpolitik und einer repressiven
Innenpolitik darlegen. Kommt das augenblicklich nicht viel zu kurz?
Nun, bei meiner Rede vor der US-Air-Base in Frankfurt bin ich auch darauf
eingegangen: Ausländerfeindlichkeit in der Gesellschaft wird geschürt
von einer Politik, die Ausländer generell unter Verdacht stellt
wie dies mit der ergebnislosen Rasterfahndung geschah , und von
Medien, die diesem Bild entsprechend berichten. Der Jahresbericht der
»Europäischen Stelle zur Beobachtung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit«
bemängelt eine seit dem 11. September 2001 wachsende
soziale Ausgrenzung von Ausländern in der EU. Die US-Bundespolizei
FBI berichtet von einer gestiegenen Zahl gewaltsamer Übergriffe auf
Angehörige der islamischen Minderheit in den USA. Auch solchen Feindbildern
wollen wir uns entgegenstellen, denn auch sie bereiten in den Köpfen
den Krieg vor.
Von Kontrollen, Fahndungen, Überwachungen und Festnahmen sind auch
alle Kritikerinnen und Kritiker in dieser Gesellschaft zunehmend betroffen.
Das Recht auf Versammlungsfreiheit, das Recht auf Meinungsfreiheit, das
Recht auf Freizügigkeit, das Recht auf Leben und körperliche
Unversehrtheit alle diese Freiheitsrechte werden immer wieder widerrechtlich
eingeschränkt.
F: Schon allein, weil die Vorbereitungen für den Krieg, die Planungen
und Besprechungen, nicht nur an fernen, abgeschotteten Orten stattfindet.
Erinnert sei an das massive Vorgehen der Polizei gegen Demonstranten anläßlich
die Konferenz für Sicherheitspolitik in München am 1. und 2.
Februar 2002.
Das ist richtig: In München waren zum Schutz derjenigen, die in Ruhe
Krieg planen wollten, die Grundrechte auf Meinungsfreiheit, Versammlungsfreiheit
und Freizügigkeit in einer ganzen Großstadt außer Kraft
gesetzt.
Und als viele Bürger und Bürgerinnen gegen die Politik George
W. Bushs demonstrieren wollten, als dieser im Sommer diesen Jahres in
Berlin weilte, war Protest nur weit außerhalb seines Wahrnehmungskreises
möglich. Er sollte nichts wissen von dem Protest gegen seine Politik.
Immer wieder erhalten Bürgerinnen und Bürger aufgrund dubioser
polizeilicher »Erkenntnisse« Ausreiseverbote und Meldeauflagen.
Busse, die von Berlin nach München zu Veranstaltungen gegen die Sicherheitskonferenz
fuhren, wurden zwar in Berlin durchsucht und dann polizeilich begleitet,
100 km vor München wurden sie jedoch aufgehalten und zurückgeschickt.
Die Daten der Kritiker werden ohne jedes Maß gespeichert.
F: Die kürzlich von verschiedenen Friedensorganisationen gegründeten
Kampagne »resist« ruft dazu auf, im Kriegsfall sich an Aktionen
des zivilen Ungehorsams zu beteiligen: Rechnen Sie mit vielfältigen
Protesten, haben Sie Hoffnungen, daß diese etwas bewirken können?
Nun, sollte es tatsächlich zu einem Krieg gegen den Irak kommen,
werden wir unser Recht auf Versammlungsfreiheit wahrnehmen und mit gewaltfreien
Sitzblockaden die Kriegsmaschinerie möglichst nachhaltig stören.
Ziel ist es, die kriegerischen Manöver zu be-, wenn nicht zu verhindern.
Wir müssen abwarten, wie viele sich daran beteiligen.
Außerdem werden wir im Kriegsfall alle Soldaten auffordern, sich
nicht an diesem völkerrechtswidrigen Krieg zu beteiligen und sich
gemäß der Rechtsordnung zu verhalten, das heißt gegebenenfalls
zu desertieren.
Alle Soldaten der Bundeswehr insbesondere die 500 AWACS-Piloten,
die sich direkt am Krieg beteiligen sollen, rufen wir schon heute
auf, sich nicht an den Vorbereitungen zu einem Angriffskrieg zu beteiligen.
Das Grundgesetz sagt: »Handlungen, die geeignet sind und in der
Absicht vorgenommen werden, das friedliche Zusammenleben der Völker
zu stören, insbesondere die Führung eines Angriffskrieges vorzubereiten,
sind verfassungswidrig. Sie sind unter Strafe zu stellen«, Art.
26 GG.
F: Die Vorbereitungen zum Grundgesetz- und Völkerrechtsbruch erfahren
gegenwärtig allerdings offizielle Rückendeckung. Während
des NATO-Krieges gegen Jugoslawien räumte der seinerzeitige Bundestagsabgeordnete
Christian Sterzing (Grüne) immerhin ein, die Kriegsbeteiligung sei
nicht legal, aber legitim. Eine reichlich abstruse Situation...
...die bezogen auf die aktuellen Ereignisse noch in anderer Hinsicht dieses
Etikett verdient: Das Regime im Irak wird aufgrund seiner Diktatur und
Unterdrückung zu recht kritisiert. Diejenigen jedoch,
die davor fliehen und bei uns Schutz suchen, haben kaum eine Chance Asyl
zu erhalten. Die Anerkennungsquote ist angesichts des Krieges gar noch
gesunken. Flüchtlinge aus dem Irak sollen wenn irgend möglich
abgeschoben werden.
> nach oben
Quelle: Frankfurter Rundschau, 23.1.2003
Aufruf zum zivilen Ungehorsam
Initiative plant Aktionen gegen deutschen Beitrag zum Krieg
Die Kampagne "resist" will die Bundesregierung mit "massenhaften
Aktionen zivilen Ungehorsams" dazu zwingen, ihrer "kriegskritischen
Rhetorik" Taten folgen zu lassen. Die Initiative, die im August von
Einzelpersonen aus der Friedensbewegung gegründet worden war, rief
die Bundesbürger am Mittwoch dazu auf, eine deutsche Beteiligung
an einem Angriffskrieg gegen Irak mit allen Mitteln zu verhindern.
Von Jörg Schindler
BERLIN, 22. Januar. Vertreter von "resist"
warfen der rot-grünen Regierungskoalition in Berlin vor, allen Beschönigungen
zum Trotz "kriegsunterstützende Maßnahmen" zu planen.
So dürften die USA Deutschland nicht nur als "Truppenaufmarschgebiet"
nutzen, sie genössen im Falle eines Krieges auch umfassende Überflugrechte.
Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) habe zudem angekündigt,
im Ernstfall 7000 Bundeswehrsoldaten für den Schutz von US-Standorten
in Deutschland abzukommandieren. "Konkret heißt das, dass 7000
weitere US-Soldaten in den Krieg ziehen können", erläuterte
Michael Behrendt vom Bündnis "Kampagne gegen Wehrpflicht, Zwangsdienste
und Militär".
Zu erwarten sei auch eine "massive Verschiffung" von Kriegsgerät
über Bremerhaven - mit Duldung der Bundesregierung. Und schließlich
habe Rot-Grün zugesagt, Tote und Verletzte aus dem Kriegsgebiet bergen
zu wollen. Auch das, so Behrendt, sei eine direkte Unterstützung
der Kriegshandlungen. All das spreche dafür, "dass sich die
Bundesregierung sogar massiver an diesem Krieg beteiligen wird als 1991".
Behrendt und "resist"-Sprecher Christoph Bautz riefen daher
alle Bundesbürger auf, zivilen Ungehorsam zu üben, um die "Rückkehr
zum internationalen Faustrecht" zu verhindern. Zu diesem Zweck ist
für kommenden Samstag (14 Uhr) eine einstündige Sitzblockade
an der Nato-Airbase in Geilenkirchen-Teveren geplant. Bundeswehrsoldaten
sollen aufgerufen werden, sich im Kriegsfall nicht an Awacs-Aufklärungseinsätzen
über Irak zu beteiligen.
Für den 31. Januar plant "resist" (www. resistthewar.de)
eine Blockade des Verteidigungsministeriums in Berlin, um dort gegen Überflugrechte
für die US-Airforce zu demonstrieren. Einen Tag später findet
ein "Go-in" auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr
statt. Die Kriegsgegner wollen darauf aufmerksam machen, dass dort bis
Anfang Februar tausende US-Soldaten in Vorbereitung auf Irak "eine
Art Wargame" (Kriegsspiel) durchführen.
Für den 22. Februar schließlich plant "resist" eine
kurzfristige Blockade der Rhein-Main-Airbase in Frankfurt. Dort soll am
zweiten Samstag nach einem etwaigen Kriegsbeginn eine Massendemonstration
folgen.
> nach oben
Quelle: taz, 23.1.2003
Kritik an Struck
"Resist the War" widerspricht Verteidigungsminister: Wer verletzte
US-Soldaten ausfliegt, beteiligt sich am Irakkrieg
BERLIN taz Mit einer Variation des alten Wilhelm-Bonmots,
er kenne keine Parteien, nur noch Deutsche, hat Verteidigungsminister
Peter Struck (SPD) Friedensaktivisten verärgert. Struck hatte am
vergangenen Wochenende vorgeschlagen, verletzte amerikanische Soldaten
mit deutschen MedEvacs-Flugzeugen nach Deutschland auszufliegen. Im gleichen
Atemzug hatte er seinem Angebot eine Art pazifistischer Absolution erteilt:
"Ich möchte den Deutschen sehen, der es ablehnt, verletzte US-Soldaten
nach Frankfurt zu fliegen."
Nun, diese Deutschen gibt es. Zum Beispiel im Umfeld der Kampagne "Resist
the war". "Struck benutzt ein Totschlagargument", reagierte
Michael Behrendt gestern. Wer verwundete Soldaten abtransportiere, beteilige
sich am Krieg.
"Natürlich muss verletzten Soldaten geholfen werden", sagte
hingegen Peter Strutynski, Sprecher vom "Bundesausschuss Friedensratschlag",
gestern zur taz. Doch sei Strucks Auffassung von Menschlichkeit einseitig.
Wer Soldaten helfe, müsse auch an die zivilen Opfer eines Irakkrieges
denken. Auch Gewerkschafter kritisierten Struck. Man halte nichts von
solchen Polarisierungen, hieß es beim IG-Metall-Verband Berlin-Brandenburg.
" MATTHIAS BRAUN
> nach oben
Quelle Badische Zeitung
23.2003
Von der Antifa bis zum Professor
Die deutsche Friedensbewegung erhält regen Zulauf / Proteste gegen
drohenden Krieg geplant
Von unserem Mitarbeiter Christian von Soest
FREIBURG. Nicht nur Amerika rüstet auf, sondern auch
die Friedensbewegung. So hat die Kampagne "Resist" ("leiste
Widerstand") jetzt angekündigt, mit Sitzblockaden gegen einen
möglichen Krieg im Irak vorzugehen. Unter dem Motto "Nein zum
Krieg - Nein zu jeglicher deutscher Unterstützung!" sollen unter
anderem das Verteidigungsministerium in Berlin und die Awacs-Airbase in
Geilenkirchen bei Mönchengladbach belagert werden. Dort sind die
Aufklärungsflugzeuge der Nato stationiert, in denen auch deutsche
Soldaten sitzen.
Damit knüpfen die Organisatoren an die unter Friedensaktivisten legendären
Blockaden gegen die Stationierung von Pershing II-Raketen in Mutlangen
und Hasselbach in den 80er-Jahren an. "Durch diese gezielten Aktionen
zivilen Ungehorsams wollen wir den Protest zuspitzen und die Leute mobilisieren",
sagt Christoph Bautz von "Resist". Über 4500 Menschen hätten
sich bisher auf einer Unterstützerliste eingetragen, pro Tag kämen
etwa 100 dazu. Andere Initiativen erfahren angesichts des näher rückenden
Kriegs im Irak ebenfalls wachsenden Zulauf. So schicken Sympathisanten
mittlerweile jeden Tag 500 bis 1000 E-Mails an das "Netzwerk Friedenskooperative",
wie Geschäftsführer Mani Stenner mitteilt.
Auch Protestforscher Dieter Rucht vom Wissenschaftszentrum Berlin für
Sozialforschung stellt fest: "Die Mobilisierung der Kriegsgegner
gewinnt an Dynamik." Das Spektrum der Bewegung gegen einen Krieg
im Irak sei sehr breit. "Die Kirche hat zum Beispiel ungewöhnlich
klar Position bezogen." Heute finde sich auf den Unterschriftenlisten
nicht nur die "Antifa Kreuzberg, sondern auch Professor Doktor Soundso",
bestätigt Manni Stenner vom "Netzwerk Friedenskooperative".
Mit einer "Friedenstour" will "Attac" neue Mitstreiter
gewinnen
Zunehmend leisten auch globalisierungskritische Gruppen Widerstand. Mit
einer "Friedenstour" durch 16 deutsche Städte will das
Netzwerk "Attac" neue Mitstreiter gewinnen. Aktivisten aus Großbritannien,
den USA und Italien berichten über ihre Erfahrungen im Kampf gegen
den Krieg. Am 28. Februar macht die Tour in Freiburg Station. Die gesamte
Friedensbewegung wählte den 15. Februar als vorläufigen Höhepunkt
der Proteste. Wie in allen Hauptstädten Europas sollen die Menschen
an diesem Tag in Berlin auf die Straße gehen. "Wir erwarten
da weit mehr als 100 000 Leute", sagt Christoph Bautz von "Resist".
Auch für den "Tag X", also den Beginn des Krieges, haben
die Friedensaktivisten genaue Pläne: Am ersten Samstag danach sollen
sich die Menschen um fünf Uhr nachmittags an zentralen Plätzen
- in Freiburg am Bertoldsbrunnen - einfinden und demonstrieren. Zudem
startet dann eine Sitzblockade vor der Rhein/Main-Airbase bei Frankfurt.
Ob - wie zur Zeit des Golfkrieges vor zwölf Jahren - wieder weiße
Bettlaken aus Fenstern hängen und Protestierende "Kein Blut
für Öl" skandieren werden, weiß heute niemand. Die
Friedensbewegung will einen erneuten Krieg im Irak aber unter allen Umständen
verhindern. Große Hoffnungen setzt sie dabei auf die zentrale Demonstration
in Berlin. Peter Strutynski, Sprecher der Initiative Friedensratschlag,
ist sich sicher: "Das stellt alles in den Schatten, was wir in den
letzten zwölf Jahren gesehen haben."
> nach oben
Quelle: taz, 27.1.2003
Vom Himmel hoch, da komm ich her: Die Awacs und die
Demos
Die Politik streitet noch, die Demonstranten
klettern schon. Die rot-grüne Koalition in Berlin vermag in Awacs-Aufklärungsflügen
mit deutschen Soldaten an Bord keine Kriegsbeteiligung sehen. Drei Kriegsgegner
sahen das anders und hissten am Wochenende ein Transparent auf dem Dach
des Nato-Stützpunkts in Geilenkirchen bei Aachen. Dort sind 17 Awacs
stationiert, die zu einem Drittel mit Bundeswehrsoldaten bemannt sind.
Sie wurden von den knapp 400 Demonstranten vor den Toren des Stützpunkts
aufgefordert, den Befehl für einen Militärschlag gegen Irak
zu verweigern. Die Bundesregierung hat einen Einsatz deutscher Soldaten
bisher nur über der Türkei genehmigt. Armin Lauven
von Pax Christi warnte dagegen, als Flugleitzentralen dienten die AWACS
auch der Zielweitergabe für Bombenabwürfe im Irak. Für
die Dauer der einstündigen Sitzblockade schloss die Air-Base ihr
Haupttor. Mit Polizei und Standortbefehlshaber war eine Sperrung der Zufahrt
verabredet. Damit handelte es sich offenbar nicht um eine Aktion zivilen
Ungehorsams. In den 80er-Jahren hatten Demonstranten vorsätzlich
gegen die Straßenverkehrsordnung verstoßen, um den angeblichen
Unrechtscharakter der Nato-Nachrüstung zum Ausdruck zu bringen. Jetzt
ermittelt die Polizei nur gegen die Dachkletterer. Der Protest vom Samstag
war Teil der Antikriegskampagne "Resist".
> nach oben
Quelle: Aachener Nachrichten,
27.1.2003
Geilenkirchen: Blockade bei der NATO
400 Demonstranten an der Airbase
Von Nachrichten-Redakteur Roman Sobierajski
Geilenkirchen (an-o) - Rund 400 Friedensbewegte
haben sich am Samstag Nachmittag vor dem Haupttor der Nato-Airbase, versammelt,
um die Base symbolisch zu blockieren und die deutschen Soldaten zum Gehorsam
aufzurufen: Gehorsam zum Grundgesetz.
Aufgerufen dazu hatte am Vorabend eines drohenden Irak-Krieges Pax Christi
als Katholische Friedensbewegung, angeschlossen hatten sich auch der Aachener
Friedenspreis, mehrere Basisgruppen und linke Parteien und ein buntes
Häufchen Punker, die die Blockade mit einem Konzert und dem Spruchband
"Punkerfeten statt Atomraketen" bereicherten. "Wir fordern
nicht zum Ungehorsam auf, sondern zum Gehorsam", rief Martin Singe
von Pax Christi den Demonstranten zu. "Nämlich zum Gehorsam
zum Grundgesetz. Die Soldaten wissen klarer als Kanzler Schröder,
dass jeder Einsatz über der Türkei ein Kriegseinsatz wäre.
Die Türkei würde nur zum möglichen Ziel, wenn der Angriffskrieg
von hier aus gestartet würde."
Kritisch setzte sich in seiner Rede auch Gerhard Diefenbach, Vorsitzender
des Aachener Friedenspreises, mit der politischen Motivation für
einen möglichen Irakkrieg auseinander: "Wir haben durch unser
Grundgesetz und mit der Charta der Vereinten Nationen militärischen
Gewaltanwendung nur zur Verteidigung des eigenen Staatsgebietes vereinbart.
Der drohende Krieg gegen den Irak wäre jedoch selbst nach dem Kosovo-Krieg
und dem Krieg in Afghanistan eine völlig neue Qualität. Offen
und ohne auch nur den Versuch, die wahren Gründe des Krieges zu verschleiern,
wird von den USA jegliches Völkerrecht, jede staatliche Souveränität
und die UN-Charta missachtet und ein uneingeschränkter globaler Herrschaftsanspruch
erhoben", rief er den Demonstranten zu und stellte die rhetorische
Frage: "Ist es nicht auch Terror, wenn die mächtigsten Staaten
die Welt ohne Respekt vor dem Leben mit Krieg überziehen?"
Hinter dem Metallgitter, das die Zufahrt zur Airbase absperrte, fand sich
dann nach den Reden allerdings niemand bereit, den Aufruf zur Desertion,
der 200 Unterschriften von engagierten Kriegsgegnern trug, entgegen zu
nehmen. Und in Ermangelung eines Holztores konnten Armin Lauven und Martin
Singe von Pax Christi den Appell auch nicht wie weiland Luther annageln.
So wurde er kurzerhand an das Tor geklebt. Ansonsten verlief die Blockade
der Airbase, die viele junge Leute und rauschebärtige Demonstrations-Veteranen
vereinte, schiedlich-friedlich. Kurz vor Demonstrationsbeginn waren die
Tore geschlossen worden, so dass die Blockade wirklich symbolisch blieb.
Ein wenig Aufregung gab es nur, als drei junge Leute das Dach der Wache
erkletterten und Transparente entrollten, auf denen zu lesen war "Stoppt
den Krieg gegen den Irak. Nein zur EU-Terrorliste". Doch die Polizeikräfte
vor Ort hatten die Lage im Griff und auch die Militärpolizisten blieben
gelassen. Nur die Personalien der Kletterer wurden nach ihrem Abstieg
aufgenommen.
> nach oben
Quelle: Handelsblatt,
27.1.2003
Die Friedensbewegung marschiert wieder
Tausende demonstrieren gegen Irak-Krieg
Das Handelsblatt schrieb: "Mehr als 10 000 Menschen haben am Samstag ..."
Leider hat der Verlag wegen der Widergabe des Artikels Schadensersatz gefordert und droht weitere rechtliche Schritte an. Da "resist" sich weder einen Prozess noch online-Nutzungsbebühren leisten kann, müssen wir die bisher hier abgedruckte kostenlose Werbung für das Handelsblatt leider beenden. Bemerkungen dazu kann mensch gern direkt an den Chefjustiziar der Verlagsgruppe Handelsblatt richten: g.wallraf@vhb.de
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Quelle: junge welt, 27.1.2003
Bundesweit Protest gegen drohenden Krieg - 10000 Teilnehmer
in Köln.
Standortblockade in Geilenkirchen und Menschenkette in Berlin
Mehrere tausend Menschen haben am Samstag in mehreren deutschen
Städten gegen einen drohenden Irak-Krieg demonstriert. Auf der größten
Protestveranstaltung versammelten sich in Köln bis zu 10000 Kriegsgegner,
in Geilenkirchen blockierten rund 400 Menschen die Zufahrt zum Stützpunkt
der AWACS-Aufklärungsflugzeuge, die bei einem Krieg mit deutschen
Soldaten an Bord an der türkisch-irakischen Grenze patrouillieren
sollen.
Nach Angaben der Polizei verliefen alle Protestveranstaltungen ohne besondere
Vorkommnisse. Überrascht wurden die Behörden lediglich von dem
regen Zustrom in Köln, wo die Initiative »Kein Krieg in Irak«
zu einer Kundgebung aufgerufen hatte. Ursprünglich waren dort nur
2500 Teilnehmer erwartet worden.
Zur Sitzblockade in Geilenkirchen hatte die Aachener Gruppe der katholischen
Bewegung Pax Christi aufgerufen. Mit Polizei und Standortbefehlshaber
war eine einstündige Sperrung der Zufahrt zum AWACS-Gelände
verabredet, die am Nachmittag ohne Zwischenfälle zuende ging. Die
Friedensaktivisten riefen die Soldaten der Bundeswehr dazu auf, sich dem
AWACS-Kommando zu verweigern. Ihr Einsatz in den Maschinen sei ein Verstoß
gegen Grundgesetz und Soldatengesetz der Bundesrepublik.
In Berlin und Brandenburg gab es ebenfalls Aktionen. Auf Initiative einer
Kirchengemeinde in Glienicke, nördlich von Berlin, wurde entlang
der Bundesstraße 96 eine Menschenkette gebildet. Die Synode der
Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg unterstützte die Aktion.
In Berlin-Prenzlauer Berg bildeten an der Schönhauser Allee Hunderte
Menschen von 14.00 bis 14.15 Uhr eine Menschenkette. Sie folgten einem
Aufruf der Gethsemane-Kirchengemeinde. Viele Teilnehmer hielten Plakate
mit einer Friedenstaube oder Kerzen in den Händen. In Leipzig folgten
nach Polizeiangaben rund 500 Menschen einem Aufruf des örtlichen
Friedenszentrums. Ohne Zwischenfälle zogen sie mit Transparenten
und Plakaten vor das amerikanische Konsulat, um dort ihren Widerstand
gegen einen möglichen Krieg zu artikulieren. Rund 50 Demonstranten
trafen sich vor dem Oberkommando der US-Streitkräfte in Europa in
Stuttgart. Auch hier blieb laut Polizei alles friedlich. In Dresden demonstrierten
Mitglieder des Irakischen Kulturclubs gegen den drohenden US-Angriff.
Auch für die kommenden Tage sind Aktionen geplant: In Dresden ist
für den heutigen Montag eine Demonstration unter dem Motto »Nein
zum Krieg im Irak« angesetzt. Die Evangelische Kirche im Rheinland
lädt ebenfalls für Montag in Düsseldorf zu einem zentralen
Friedensgottesdienst ein. In Nordhausen und Worbis organisieren PDS und
örtliche Friedensgruppen Kundgebungen und Mahnwachen.
(AP/ddp/jW)
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Quelle: Nordbayerische
Nachrichten, 3.2.2003
Festnahmen bei Demonstration
gegen Irak-Krieg
Friedlicher Protest - Giftgasunfall auf Truppenübungsplatz Grafenwöhr?
AUERBACH Das Bürgerforum Umwelt und Truppenübungsplatz
e. V. hat sich am Samstag an einer Demonstration der Friedensinitiative
resist gegen die Angriffspläne der USA auf den Irak beteiligt.
Damit wollten sie ihrer Forderung nach einem Stopp der Ausbaupläne
für den Truppenübungsplatz Nachdruck verleihen.
Im Vorfeld dieser Aktion kündigte resist einen Go
In in den Truppenübungsplatz an. Zu diesem Zweck trafen sich
die Aktivisten schon etwa zwei Stunden vor Beginn der Kundgebung im Schützenheim
Nitzlbuch, um Bezugsgruppen zu bilden und zusammen mit dem
Bürgerforum den Ablauf der Demonstration zu besprechen.
resist-Pressesprecher Christoph Bautz klärte die Beteiligten
über die rechtliche Situation auf. Seiner Ansicht nach stellt das
Betreten des Truppenübungsplatzes keinen Hausfriedensbruch dar, wie
von der Polizei angedroht, sondern eine Ordnungswidrigkeit.
Ohne Gewalt
Man verständigte sich darauf, gewaltfrei und ohne Provokation nach
Ablauf der regulären Demonstration den Weg auf die Schießbahn
nahe Bernreuth zu gehen, um symbolisch Bilder von Kindern niederzulegen,
die während des Irak-Kriegs 1991 verletzt worden waren Die Aktion
sollte nach 15 Minuten beendet werden.
Gegen 14 Uhr versammelten sich rund 200 Kriegsgegner jeden Alters, um
an der Eröffnungskundgebung vor dem Schützenheim teilzunehmen.
Christoph Bautz wies noch einmal auf die Ziele der Bewegung hin und wiederholte
seinen Aufruf, Widerstand gegen einen Krieg in der Golfregion zu leisten.
Vor allem forderte er die Bundesregierung auf, auch nach den Landtagswahlen
in Hessen und Niedersachsen ihr klares Nein gegen den Krieg im UN-Sicherheitsrat
zu vertreten und Worten auch Taten folgen zu lassen.
Der Verbleib von Fuchspanzern in Kuwait, der Marineflotte am Horn von
Afrika sowie eine Beteiligung von deutschen Soldaten in AWACS-Aufklärungsflugzeugen
seien unter den gegebenen Umständen mit dem Grundgesetz nicht vereinbar.
Es handle sich eindeutig um einen Angriffskrieg, an dem sich laut Gesetz
kein Deutscher beteiligen dürfe.
Zivilkräfte angezeigt
Aus diesem Grund wurden auch die deutschen Zivil-Angestellten des NATO-Stützpunktes
von Mitgliedern des Bürgerforums angezeigt. Der Fall wurde nach Angaben
des Forums bereits dem Generalbundesanwalt übergeben. Danach setzte
sich der Protestzug Richtung Schießbahn in Bewegung. Mit Transparenten,
Spruchbändern und Trommeln machten die Demonstranten auf sich aufmerksam.
Die Abschlusskundgebung fand auf einer frei zugänglichen Panzerstraße
vor dem Sperrgelände des Übungsplatzes statt.
Drehscheibe für die US-Armee
Josef Geyer vom Bürgerforum mahnte die Bürgerinnen und Bürger,
sich von den Amerikanern nicht einschüchtern zu lassen. Der Truppenübungsplatz
soll zur Drehscheibe für internationale Einsätze ausgebaut und
3500 Soldaten und 5000 Angehörige neu angesiedelt werden.
Jeder Soldat mehr bedeute mehr Schießlärm und Umweltbelastung,
das verkrafte die Region nicht. Wenn die Amerikaner mehr üben
müssen, dann sollen sie das auch in Amerika tun und uns hier nicht
aus dem Schlaf reißen, forderte Geyer die US-Streitkräfte
auf.
Die Folgen der Trinkwasserverseuchung durch Munitionsrückstände
seien sowieso erst in der Zukunft abzusehen. Außerdem erzählte
er von Gerüchten über einen Giftgasunfall innerhalb des Übungsgeländes.
An der Beseitigung der dadurch entstandenen Schäden werde noch immer
mit Hochdruck gearbeitet, die Bevölkerung aber nicht informiert.
Das könne nicht sein.
Abschließend forderte er die USA auf, die Aktivitäten auf dem
Truppenübungsplatz auf ein verträgliches Maß zu reduzieren
und auf einen verantwortungsvollen Umgang mit der Natur zu achten.
Eine Rüge sprach er auch Richtung bayerischer Staatsregierung aus.
Sie könne sich nicht hinter die Genehmigung für den Ausbau stellen,
denn ihr seien schon seit über 20 Jahren die Gefährdungen bekannt.
Freundschaft aufkündigen
Wenn hier weitergeschossen und ausgebaut wird, kündigen wir
die freundschaftliche Beziehung zu den Amerikanern auf, dann kann es auch
für die Zivilamerikaner etwas frostiger werden, warnte er.
Nach der Ansprache beendete Versammlungsleiter Hartmut Kahl von der resistKampagne
den offiziellen Teil der Kundgebung. Vereinzelt machten sich Teilnehmer
auf den Heimweg, doch der Großteil verharrte in der Kälte,
um am Go In teilzunehmen. Etwa 40 der rund 120 verbliebenen
Demonstranten machten sich mit den Bildern der irakischen Kinder auf den
Weg Richtung Schießbahn.
Aktivisten festgenommen
Dort angekommen, waren sie alsbald umringt von Beamten des Bundesgrenzschutzes,
die aus dem Truppenübungsplatz gefahren kamen. Unter lautstarkem
Protest der vor dem Tor gebliebenen Demonstranten wurden sie von den Grenzschützern
wegen Verdachts auf Hausfriedensbruch festgenommen. Nachdem die Personalien
aufgenommen wurden, ließ die Polizei die Demonstranten allerdings
wieder frei. Vertreter beider Organisationen zogen ein positives Fazit
über Verlauf und Erfolg der Aktion, die insgesamt sehr friedlich
verlief. OLIVER WINKELMAIER
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Quelle: Nürnberger
Nachrichten, 3.2.2003
Zwischenfall am Truppenübungsplatz Grafenwöhr:
Polizei nahm 38 Aktivisten fest
Friedlicher Protest vor US-Basis
Verbotswidrig auf das Sperrgelände ? Demonstrationen in Neumarkt
und Erlangen
NÜRNBERG (nn) Die Protestwelle hält
an: In mehreren Orten der Region haben am Wochenende Tausende von Menschen
friedlich gegen die Angriffspläne der USA demonstriert.
Nach einer Kundgebung in Auerbach wurden 38 Kriegsgegner am Rand des amerikanischen
Truppenübungsplatzes Grafenwöhr von der Polizei vorübergehend
festgenommen. Der Protest der insgesamt 200 Frauen und Männer richtete
sich nicht nur gegen einen drohenden Irak-Krieg, sondern auch gegen Pläne
zum Ausbau der US-Militärbasis.
Nach Abschluss der Demonstration hatten sich 38 Friedensaktivisten durch
eine unversperrte Panzereinfahrt auf den Weg zur Schießbahn gemacht.
Nach Polizeiangaben waren sie verbotswidrig auf das Manövergelände
eingedrungen. Nach der Aufnahme ihrer Personalien wurden sie wieder auf
freien Fuß gesetzt. Gegen sie wird wegen des Verdachts auf Hausfriedensbruch
ermittelt.
In Erlangen hatte das Bündnis für den Frieden zu
einem Protestmarsch durch die Innenstadt aufgerufen. Viele Passanten aller
Altersgruppen schlossen sich dem Zug an. Einige der insgesamt rund 400
Teilnehmer trugen Transparente mit der Aufschrift wie Kein Blut
für Öl.Im Schein von Fackeln und Kerzen waren mehr als
200 Menschen schweigend durch Herzogenaurach marschiert.
In Neumarkt gingen knapp 2000 Menschen auf die Straße. Die breite
Allianz der Kriegsgegner zog sich quer durch alle politischen Lager; Gewerkschaften,
Kirchen, Naturschützer, Schulklassen und Seniorengruppen machten
bei der Kundgebung mit. Irak-Krieg = das
angekündigte Verbrechen, war auf einem der zahlreichen Spruchbänder
zu lesen.
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Quelle: FR-Frankfurt-Teil, 24.02.03
Antikriegs-Demonstration
Sieben Stunden die Airbase blockiert
Mehr als 2000 Demonstranten aus ganz
Deutschland haben am Samstag mit
einer Sitzblockade für sieben Stunden die Tore der US-Air-Base auf
dem
Rhein-Main-Flughafen versperrt. Zuvor waren die Kriegsgegner vom S-Bahnhof
Zeppelinheim zum Luftwaffenstützpunkt gezogen. Die Kundgebung verlief
nach
Auskunft der Polizei und der Veranstalter "resist the war" friedlich
und
gewaltfrei. Die Polizei hatte mehr als 200 Beamte im Einsatz. Von der
Air-Base starten zurzeit täglich bis zu 40 Transportmaschinen in
den Nahen
Osten. Mit Tanz, Musik und Redebeiträgen von Horst-Eberhard Richter
und
Klaus Vack vom Komitee für Grundrechte und Demokratie sowie
Friedensaktivistin Gisa Luu forderten die Demonstranten den amerikanischen
Präsidenten auf, keinen Krieg zu starten. Es sei "absolut notwendig,
etwas
zu tun und aufzustehen", begründete der Frankfurter Michael
Grimm seine
Teilnahme. "Kommt es zum Crash, gibt es in Irak eine Massenhinrichtung",
sagte die Schweinfurterin Rita Weber. Eine "eindrucksvolle Sache"
sei die
Demonstration gewesen, urteilte "resist"Sprecherin Elke Steven.
Es habe
gezeigt, wie viele Menschen zu zivilem Ungehorsam bereit seien. Die
Sitzblockade sei die größte der vergangenen 20 Jahre. Dabei
richte sich
die Kundgebung nicht gegen das amerikanische Volk, "sondern gegen
die
amerikanische Kriegspolitik". Resist habe auch ein Zeichen an die
deutsche
Regierungspolitik senden wollen. Dort gebe es "kriegskritische Rhetorik
-
jetzt müssen Handlungen folgen". Als "absolut ruhig"
bezeichnete
Polizeisprecher Manfred Vonhausen die Demonstration: "Wir hatten
null
Festnahmen." Nur am Rande habe es "kurze Diskussionen"
mit Leuten der
Organisation Robin Wood gegeben. Diese hatten versucht, sich mit
Handschellen am Tor zur Air-Base anzuketten. Beamte hinderten die
Aktivisten und forderten die Personalien. Gegen 18.30 Uhr, drei Stunden
nach dem offiziellen Ende, hätten die letzten Protestler "freiwillig"
das
Feld geräumt. bos
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Quelle:taz 24.02.03
Mit kaltem Hintern vor der Airbase
Wieder etwa 20.000 Friedensdemonstranten unterwegs.
1.000 Blockierer vor
dem US-Militärflughafen in Frankfurt/Main. Riesen-Peacezeichen legt
Kölner
Innenstadt lahm. Bei Kriegsbeginn Dauerblockade US-amerikanischer
Militärbasen geplant
aus Frankfurt HEIDE PLATEN
Winterkälte, Wintersonne - knapp 800 Demonstranten
gegen den drohenden
Irakkrieg zogen am Samstagmittag zur US-Airbase am Frankfurter
Rhein-Main-Flughafen. Fast 3.000 sollten es bis zum Nachmittag werden.
Der Frankfurter Professor Hans-Eberhard Richter erinnerte in der
Kundgebung an den Golfkrieg 1991: "Krieg ist das sicherste Mittel,
dem
Terrorismus in die Hände zu spielen." Er beschuldigte die USA,
den Krieg
aus macht- und wirtschaftspolitischen Gründen zu wollen und Soldaten
in
den Kampf zu schicken, "die Knöpfe bedienen" und die "Schmerzenschreie"
eines "schon am Boden liegenden Volkes" nicht hören.
Die Rhein-Main-Airbase ist einer der drei Militärflughäfen der
USA in der
Bundesrepublik. Sie dient als Basis für den Transport von Truppen
und
Nachschubmaterial und wurde schon 1991 beim Golfkrieg und bei den
UNO-Einsätzen in Bosnien und in Afghanistan als Drehscheibe genutzt.
Ein
Golfkriegssoldat berichtete von dem seit Wochen wachsenden Widerstand
der
GIs und der Veteranen in den USA. Währenddessen starteten über
den Köpfen
der Demonstranten zwei Militärmaschinen. Täglich sollen es derzeit
etwa 40
sein.
Ab 14 Uhr wurde der Widerstand zur Widersitzlichkeit: das Tor der
Militärbasis wurde von rund 1.000 Menschen blockiert. Friedensaktivist
Klaus Vack hatte im Namen der Organisation "Resist" zum "Neinsagen"
und
zum "rechtswidrigen Gebrauch des Gesäßes" aufgerufen.
Die Strohsäcke, die
die Hinterteile vor der Kälte schützten, waren dabei so illegal
wie die
Klappstühlchen. Ein Biokartoffelbauer aus dem Niedersächsischen
hatte sie
gestiftet, die Polizei ein Einsehen. Die größte Blockadeaktion
seit 20
Jahren nahm ihren Verlauf mit heißem Apfelwein und Schmalzbroten
und wurde
nach zwei Stunden friedlich beendet. Die 40 Bundeswehrsoldaten, die den
Luftwaffenstützpunkt seit Freitag bewachen sollten, ließen
sich nicht
blicken.
Während die Frankfurter mäßig froren, demonstrierten in
der Kölner
Innenstadt ab 11.55 Uhr, "fünf vor zwölf", über
10.000 Menschen. Sie
formierten sich für 20 Minuten zu einer fünfeinhalb Kilometer
langen
Menschenkette und bildeten ein - nicht ganz geometrisches -
Friedenszeichen, ehe sich die Menge auf mehrere Kundgebungen in der
Innenstadt verteilte.
In Mannheim und Koblenz gingen ebenfalls mehrere 1.000 Menschen auf die
Straße. Im Emdener Hafen protestierte eine kleine Gruppe gegen die
Verschiffung britischer Panzer in die Golfregion. "Resist" kündigte
an,
man sei auf den Kriegsbeginn vorbereitet. Am zweiten Samstag nach dem
"Tag
X" sei zu einer unbefristeten Blockade der Frankfurter Airbase aufgerufen.
Am 8. März soll die Eucom, das Oberkommando der US-amerikanischen
Streitkräfte in Europa, blockiert werden.
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Die Welt vom 25.02.2003
Verlegung der Awacs-Maschinen hat begonnen
Die Nato hat am Montag mit der Verlegung von
Awacs-Beobachtungsflugzeugen aus Deutschland in die Türkei begonnen
Geilenkirchen - Die Flugzeuge sollen vom türkischen Luftwaffenstützpunkt
Konya aus – etwa 220 Kilometer südlich von Ankara – den
türkischen Luftraum kontrollieren. Der Chef der Nato-Awacs-Flotte,
General Major Johann-Georg Dora, betonte am Awacs-Stützpunkt in Geilenkirchen
bei Aachen den defensiven Charakter des Einsatzes zur Unterstützung
der Türkei in der Irak-Krise: „Wir werden uns in keinem Fall
auf eine offensive Operation einlassen.“ Ein Drittel der Awacs-Besatzung
sind Deutsche.
Friedensaktivisten hatten am Morgen aus Protest gegen die Verlegung vorübergehend
das Haupttor des Stützpunktes blockiert. Die Awacs-Maschinen dienten
nicht der Verteidigung der Türkei, sondern der Vorbereitung und Durchführung
eines Angriffs auf den Irak, begründeten die katholische Friedensbewegung
Pax Christi und die Friedenskooperative „Resist the War“ ihre
Aktion. Die Awacs-Systeme sollen die Radarbilder der Bodengefechtsstationen
durch luftgestützte Bilder verbessern, sagte Kommandeur Dora. Der
Auftrag beziehe sich allein auf die Kontrolle des türkischen Luftraums:
„Wir kontrollieren nichts, was hinter der türkischen Grenze
liegt“, betonte er. Die Verlegung der Awacs-Flugzeuge ist der erste
konkrete Schritt der Nato zur Erfüllung der türkischen Bitte
um Hilfe beim Schutz vor einem irakischen Angriff. dpa
>
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Aachener Nachrichten vom 25.02.2003
Verlegung in die Türkei begonnen - "Pax
Christi" blockiert Zufahrt
General: Awacs im "defensivem" Einsatz
Von Nachrichten-Mitarbeiter Markus Bienwald
Geilenkirchen (an-o) - War es ein weiterer
Schritt in Richtung Irak-Krieg? Nach offizieller Sicht der Dinge nicht,
denn für Generalmajor Johann G. Dora, Kommandeur des Nato-Frühwarnverbandes
war die gestern gestartete Verlegung von AWACS-Maschinen kein militärischer
Einsatz.
Demonstranten der Organisation Pax Christi
sahen dies ganz anders. So harrten gut 30 Kriegsgegner schon ab halb sieben
am Haupttor aus, um mit einer friedlichen Sitzblockade ihren Protest gegen
einen drohenden Krieg im Irak auszudrücken. Vor Betreten des Geländes
gab es umfangreiche Sicherheitsvorkehrungen, Sprengstoffhunde suchten
nach etwaigen explosiven Stoffen.
Drinnen im Hangar IV folgte eine kurze
Erklärung zur Lage, hier traten Generalmajor Johann Dora und der
Awacs-Kommandeur Gary A. Winterberger vor die Presse. Es sei keine Übung,
erläuterten sie, lediglich ein Einsatz, um den Bündnispartner
Türkei zu unterstützen. Bilder von möglichen Angriffszielen
würden nicht produziert, lediglich die mit den eingesetzten E3A-Maschinen
üblichen Radarkontrollen über eine Fläche von über
312.000 Quadratkilometern.
"Einsatz könnte sich
ändern"
Generalmajor Dora unterstrich sehr deutlich,
dass es keine offensiven Leit- oder Kontrollfunktion für andere Nato-Flugzeuge
geben werde, denn dies sei ein defensiver Einsatz.
"Das ist momentan so, könnte
sich aber ändern", so Dora weiter. Zu der Operation wurden keine
Details bekannt, weder die endgültige Zahl von Maschinen, noch die
Zahl der eingesetzten Soldaten. Klar sei hingegen, dass derzeit nicht
vorgesehen sei, den irakischen Luftraum zu überfliegen. Offiziell
wurde auch mitgeteilt, dass ab Mitte der Woche die ersten E3A-Maschinen
ins türkische Konya verlegt werden. Gestern starteten hingegen nur
zwei Transportmaschinen in Richtung Türkei. Weitere vier bis fünf
Flugzeuge könnten bis Donnerstag folgen. Die Laune bei den für
die Interviews ausgewählten Soldaten war nicht nur wegen des strahlenden
Sonnenscheins gut. "Politik machen andere Leute, wir machen nur die
Arbeit", meinten zwei Techniker.
"Es ist mein Job, dies zu tun",
meinte eine 28-jährige amerikanische Soldatin, die wie alle anderen
unerkannt bleiben soll. Ein Leutnant, der sich Liza nennt, freut sich
auf den Einsatz, er wisse aber weder, wie lange sie dort bleiben werden,
noch wann es losgeht, sagt er, während eine eigens für den Pressetermin
startklar gemachte E3A-Trainingsmaschine mit donnernden Triebwerken abhob.
>
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Der Tagesspiegel, 15.02.2003
Würden Sie mit Attac auf die Straße
gehen, Herr Gauweiler?
Der CSU-Abgeordnete und der Globalisierungsgegner Christoph Bautz
im Gespräch über den Irak, Amerika und die Schwierigkeit, anders
zu denken
Herr Bautz, was halten Sie von folgendem
Satz: „Dörfer, Siedlungen und Städte zwischen Euphrat
und Tigris mit Raketen in Brand zu setzen, um einen Regierungswechsel
zu erzwingen, das ist weder moralisch noch mutig."
Bautz: Würde ich auch sagen.
Das hat Herr Gauweiler in der „Bild"-Zeitung
geschrieben.
Bautz: Kann ich trotzdem unterschreiben.
Herr Gauweiler, „wo Recht zu
Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht". Kennen Sie den Spruch?
Gauweiler: Nach Ihrem Spiel ist das bestimmt
ein Satz, mit dem die Bewegung von Herrn Bautz wirbt. Aber er könnte
auch im Neuen Testament stehen.
Sie könnten ihn also unterschreiben?
Gauweiler: Ja, könnte ich.
Warum sind Sie gegen den Krieg?
Gauweiler: Es gibt nur zwei Fälle,
in denen als letztes Mittel Krieg zulässig ist: zur Selbstverteidigung
oder im Auftrag der Vereinten Nationen. Im Moment ist beides nicht der
Fall.
Und wenn es ein UN-Mandat für
den Irak-Krieg gäbe, wären Sie dafür?
Gauweiler: Niemand ist verpflichtet,
alles, was die UN sagen, richtig zu finden. Aber bei einem solchen UN-Mandat
wäre ein militärisches Eingreifen – jedenfalls nach heutiger
Definition – gerechtfertigt. Im Moment ist das freilich alles nicht
der Fall. Zurzeit kann man einigen Leuten in Washington nur das sagen,
was auch die „New York Times" meint: Hört auf, Blödsinn
zu reden.
Bautz: Die Gründe, die angeführt
werden, um den Irak-Krieg zu rechtfertigen, sind vorgeschoben. Ich glaube
nicht, dass Sadam Hussein Massenvernichtungswaffen an Terroristen liefern
wird. Er ist traditionell mit islamistischen Gruppen verfeindet. Ich kann
mir auch nicht vorstellen, dass er noch einmal Massenvernichtungswaffen
einsetzt. Saddam ist ein Machtpolitiker und wird wissen, dass seine Tage
gezählt sind, wenn er davon Gebrauch macht.
Worum geht es dann den Amerikanern?
Bautz: Es geht um Öl. Die USA wollen
direkt auf die Erdölvorkommen des Irak – die zweitgrößten
der Welt – zugreifen. Außerdem brauchen sie in der Region
einen sicheren Stützpunkt. Saudi-Arabien wird innenpolitisch immer
wackliger. Hinzu kommt auch, dass US-Präsident Bush innenpolitische
Probleme hat. Seine Umfragewerte sind im Keller, weil es den USA ökonomisch
schlecht geht. In solchen Situationen ist es immer günstig, Krieg
zu führen.
Und was ist, wenn die Inspekteure
„smoking guns" im Irak finden?
Bautz: Viele Staaten haben Massenvernichtungswaffen.
Wenn die USA losschlagen und Saddam sich an die Wand gedrückt fühlt,
besteht viel eher die Gefahr, dass er sie einsetzt. Natürlich hat
Saddam schon Massenvernichtungswaffen eingesetzt, aber doch nur in der
Zeit, als er politisch und logistisch von den USA unterstützt wurde.
Herr Gauweiler, geben Sie Herrn Bautz
Recht?
Gauweiler: Zum Teil, ja. Ich glaube aber
nicht, dass man so naiv sein darf zu glauben, dass Saddam keine Massenvernichtungswaffen
einsetzen würde. Er hat es doch schon getan! Im Iran – auf
brutalste Weise. Im übrigen liegt Herr Bautz gar nicht so falsch.
Wir dürfen nicht vergessen, dass im Irak mehr religiöse Toleranz
herrscht als bei den US-Bundesgenossen in Saudi-Arabien. In Riad steht
das Abhalten eines katholischen Gottesdienstes unter Strafe. Touristen
dürfen nicht mal ein Kreuz an der Halskette tragen. In Bagdad dagegen
residiert ein katholischer Patriarch, der offensichtlich ungehindert seine
Gemeinde betreuen kann.
Auch an Sie die Frage: Was ist, wenn
die Inspekteure „smoking guns" finden?
Gauweiler: Genau an diesem Punkt ist
die amerikanische Politik nicht glaubwürdig. Nordkorea – ein
extremer kommunistischer Staat – verfügt auch über atomare
Massenvernichtungsmittel. Hier braucht niemand mehr zu suchen. Trotzdem
denkt niemand daran, einen Präventivkrieg gegen Nordkorea zu führen.
Bautz: Nordkorea entlarvt die Verlogenheit
dieser Politik. Niemand schlägt zu, weil das Regime sich wehren kann
und eine echte Bedrohung darstellt. Für andere Regime ist das doch
geradezu eine Einladung, sich Atomwaffen anzuschaffen, damit sie nicht
von den Amerikanern angegriffen werden können.
Muss der Westen nicht unbedingt verhindern,
dass Terroristen Massenvernichtungswaffen in die Hände bekommen?
Bautz: Ich halte es für eine Illusion,
Terrorismus mit militärischen Mitteln bekämpfen zu wollen. Das
hat sich in Afghanistan gezeigt. Vielleicht sind einige Basislager zerstört
worden, aber Osama bin Laden ist nicht gefasst. Terrorismus operiert in
Netzwerken und kann nur polizeilich bekämpft werden. Und man muss
die sozialen Ungleichheiten beseitigen, denn da liegt die Ursache des
Terrorismus.
Herr Gauweiler, Sie rollen mit den
Augen.
Gauweiler (lacht): Das liegt an meiner
Kurzsichtigkeit. Ich habe mir in meiner Zeit im bayerischen Innenministerium
und als Münchner Ordnungsdezernent mühsam einen stabilen Ruf
als „Law and Order"-Politiker erworben, den ich jetzt natürlich
nicht gefährden will. Sie haben Recht, Herr Bautz, zu jeder Strafverfolgung
gehört auch Vorbeugung. Aber zum Beispiel Wohnungsnot rechtfertigt
keinen gewaltsamen Hausfriedensbruch. Und die Ungerechtigkeiten auf diesem
Planeten rechtfertigen nicht, andere Menschen via Terrorismus umzubringen.
Bautz: Natürlich sind die Terroranschläge
vom 11. September durch nichts zu rechtfertigen. Trotzdem denke ich, dass
die Reaktion darauf – Afghanistan anzugreifen – ein Fehler
war. Das hätte man mit polizeilichen Mitteln lösen müssen.
Gauweiler: Aber wo würden Sie denn
die Grenze ziehen? Polizisten gehen doch auch mit Feuerwaffen und nicht
mit Wattebällchen vor.
Bautz: Wenn sicher wäre, dass sich
in einem bestimmten Teil Afghanistans Terroristen aufhalten, würde
ich einen punktuellen Einsatz für gerechtfertigt halten.
Gauweiler: Mit Raketen…
Bautz: Nein, vielleicht mit Hubschraubern.
Flächenbombardements, bei denen Tausende Zivilisten sterben, sind
jedenfalls nicht zu rechtfertigen.
Stimmen Sie darin überein, dass
sich Deutschland im Falle eines Irak-Kriegs weder an Awacs-Aufklärungsflügen
beteiligen noch den Amerikanern Überflugrechte gewähren soll?
Gauweiler: Wenn der Weltsicherheitsrat
mit einer zweiten Resolution für den Krieg stimmt, darf die Bundesregierung
UN-Maßnahmen nicht unterlaufen. Als Mitglied der Vereinten Nationen
ist sie zur Unterstützung des Sicherheitsrats verpflichtet. Die Bundesregierung
braucht sich aber an einem militärischen Einsatz nicht aktiv zu beteiligen.
Deutschland hat nach den USA bei internationalen Einsätzen die meisten
Soldaten und Geldmittel gestellt. Unter diesem Gesichtspunkt ist auch
die Äußerung des amerikanischen Botschafters, dass Deutschland
„nicht relevant" sei, eine Unverschämtheit.
Und bei einem Alleingang der Amerikaner?
Gauweiler: Dann wäre ein solcher
Krieg vom Völkerrecht nicht gedeckt, und niemand in Deutschland dürfte
sich daran beteiligen, weder durch die Gewährung von Überflugrechten
für amerikanische Militärmaschinen noch durch die Beteiligung
an Awacs-Aufklärungsflügen an der türkisch-irakischen Grenze.
Bautz: Es handelt sich in jedem Fall
um einen Angriffskrieg, auch wenn er unter UN-Mandat geführt wird.
Das Grundgesetz erlaubt nicht, einen Angriffskrieg zu unterstützen.
Dann ist eine Beteiligung Deutschlands, auch indirekt mit Überflugrechten,
nicht zu rechtfertigen.
Im Großen und Ganzen sind Sie
sich erstaunlich einig. Sehen wir Sie jetzt Hand in Hand bei Friedensdemonstrationen?
Gauweiler: Immerhin haben Sie uns schon
an einen Tisch gekriegt. Aber aus der gemeinsamen Demo wird nichts. Meine
Abneigung gegen Demonstrationen rührt her aus der 68er Zeit. Mir
ging die damalige Mischung von Ethik und Heuchelei gewaltig auf den Keks.
Aber Sie sympathisieren mit den Zielen
der Friedensdemonstranten?
Gauweiler: Ich hoffe, die sympathisieren
mit mir. Zusammen mit Freunden in der CDU/CSU habe ich eine große
Debatte über den Irak-Krieg begonnen, die noch lange nicht zu Ende
ist.
Aber Sie stehen ziemlich alleine
da.
Gauweiler: Nein, ich kriege täglich
E-Mails und Briefe von Leuten, die sagen: Wir haben Sie nie gewählt,
aber was Sie jetzt machen, finden wir toll.
Aber in der Union hält nur Willy
Wimmer, der früher Staatssekretär im Verteidigungsministerium
war, zu Ihnen.
Gauweiler: Ach wissen Sie, der Platz
zwischen den Stühlen verhindert, dass man zu schnell einschläft.
Ich bin gewählter Abgeordneter, und ich muss tun, was ich für
richtig halte. Und ich kann mich auch über Zustimmung aus der CDU/CSU
nicht beklagen.
Warum schweigen Ihre Anhänger
verschämt?
Gauweiler: Das kann man Ihnen nicht vorwerfen.
Die CDU/CSU ist hin- und hergerissen, sie fühlt sich als die Partei,
die – zu Recht – die deutsch-amerikanischen Beziehungen immer
gepflegt hat. Sie hegt große Sympathien für den Vater Bush,
weil er uns Deutschen bei der Wiedervereinigung so geholfen hat. Jetzt
tut sich die CDU/CSU schwer, hart über den Sohn zu urteilen.
Wie ist es bei Ihnen, Herr Bautz:
Kriegen Sie Zuspruch aus dem bürgerlichen Lager?
Bautz: Ich glaube, dass wir bei diesem
Krieg wie nie zuvor auch die Mitte der Gesellschaft mobilisieren können.
Und ich finde es im Gegensatz zu Herrn Gauweiler sehr wichtig, dass Menschen
demonstrieren. Worten müssen Taten folgen.
Gauweiler: Die Demonstrationen der Friedensbewegung
der 80er Jahre sind zu oft missbraucht worden. Das hatte etwas Unappetitliches
an sich und wirkte so gestellt. Thomas Mann hat im Mai 1945 die „Deutschen
im weißen Kleid" – die eingebildeten Guten – kritisiert.
Genau so kam mir damals die Friedensbewegung vor: Seht her, wir sind die
Deutschen im weißen Kleid, die eingebildete hohe Warte!
Unter welchen Umständen wäre
dann ziviler Ungehorsam aus Ihrer Sicht erlaubt?
Gauweiler: Es gibt zwei bedeutende Beispiele
veredelten Ungehorsams. Gandhi war das eine. Der hat seine Gegner gewaltfrei
entwaffnet, so dass es denen am Ende wie Schuppen von den Augen fiel.
Das andere, ein christlich-demokratisches Beispiel, war Martin Luther
King, mit seinem Bus-Streik in Alabama. Authentisch, nicht geheuchelt.
Aber moderne Massendemonstrationen laden dazu ein, die Probleme der Welt
schwarz-weiß zu malen.
Bautz: Das finde ich sehr gewagt. Soziale
Bewegungen, Demonstrationen und ziviler Ungehorsam waren die zentralen
Triebfedern des letzten Jahrhunderts. Es gäbe heute ohne den Druck
der Arbeiterbewegung keinen Sozialstaat. Ohne Martin Luther King gäbe
es noch heute Rassentrennung in den USA. Und ohne Feministinnen gäbe
es keine Gleichstellung von Mann und Frau. Es gäbe auch keine ökologische
Bewegung. Herr Gauweiler wäre nie Umweltminister in Bayern geworden.
Gauweiler: Einspruch, Euer Ehren! Die
Bayern haben 1972 als erstes Land in Europa ein Umweltministerium eingerichtet.
Die alternative Öko-Bewegung wurde erst viel später gegründet.
Herr Gauweiler, können Sie sich
Umstände vorstellen, unter denen Sie demonstrieren?
Gauweiler: Kann ich. Ich habe ja auch
schon demonstriert. 1972 nach dem Mordanschlag gegen die israelischen
Sportler bei den Olympischen Spielen in München. Die K-Gruppen haben
damals eine Pro-Al-Fatah-Demonstration abgehalten, ich war Gegendemonstrant,
was mir einen Strafbefehl eingetragen hat.
Dann müssen Sie doch Verständnis
für Herrn Bautz haben?
Gauweiler: Ja, ich habe hohe Achtung
vor seinem persönlichen Engagement. Nur: Wir waren damals in der
Minderheit, es war viel schwerer, gegen den Strom zu schwimmen. Bautz:
Na, ich denke, dass wir gar nicht hier säßen ohne diese Demonstrationen.
Gauweiler: Ich sitze hier, weil ich mich
zu einem Thema geäußert und mit meinen Worten für ein
bisschen Aufregung gesorgt habe.
Würden Sie Herrn Gauweiler gerne
bei Ihren Aktionen sehen?
Bautz: Na ja, „gerne" ist
vielleicht nicht das richtige Wort, Resist will die Mitte der Gesellschaft
erreichen, wo ich aber Herrn Gauweiler nicht verorten würde, dazu
ist er zu sehr „Law-and-Order"-Politiker.
Gauweiler: Trotzdem wird keiner von uns
umhinkommen, richtige Positionen zu unterstützen – egal wer
sie vertritt. Das ist wohl jetzt unser gemeinsames Schicksal.
Das Gespräch führten Kerstin
Schneider und Jan-Philipp Sendker.
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Autokorso für den Frieden
Überall in Deutschland planen Kriegsgegner Aktionen
Von Alexander Visser
Während die USA am Golf Spezialeinheiten, Tarnkappenflugzeuge
und Superbomben zusammenziehen, bereiten sich auch die Kriegsgegner
auf den Ernstfall vor. Mit Friedensgebeten, Mahnwachen oder Autokorsos
wollen Menschen überall in Deutschland auf den Tag X
reagieren, den Beginn der Kampfhandlungen. Sollte es zum Krieg kommen,
dürfte sich der bereits vorhandene Bürgerprotest noch steigern.
Je unausweichlicher der Krieg erscheint, desto mehr
Menschen sind bereit, einen Schritt weiter zu gehen, als nur zu demonstrieren,
sagt Christoph Bautz, Sprecher der Friedensinitiative Resist.
Das habe sich schon im Februar gezeigt, als rund 3000 Menschen fünf
Stunden lang einen Zugang zur US-Airbase Rhein-Main bei Frankfurt blockierten.
Am heutigen Samstag soll der Protest intensiviert werden. Demonstranten
wollen die Zugänge zu dem Luftkreuz, von dem aus Truppen an den Golf
transportiert werden, für 24 Stunden friedlich besetzen. Das hessische
Verwaltungsgericht hat zwar das Demonstrationsverbot der Stadt Frankfurt
aufgehoben, aber nur eine kurzzeitige Straßenblockade erlaubt. Wir
planen trotzdem eine 24-stündige Blockade, sagt Bautz. Es
ist gut möglich, dass wir dann von der Polizei weggetragen werden.
Die Internetseite www.tag-x.de informiert über die
im Land geplanten Aktionen. In Leipzig lebt das Friedensgebet in der Nikolaikirche
mit anschließenden Montagsdemos wieder auf. Durch Bremen ziehen
Schüler als UN-Waffeninspekteure. Aschaffenburger planen einen Autokorso
gegen den Krieg. Der Landkreis Diepholz will für den Frieden radeln.
Neubrandenburger Schüler rufen zum Unterrichtsboykott am Tag
X auf, Motto: Bombt der Ami, pauken wir nicht mehr!
Zur traditionellen Friedensbewegung gesellen sich
neue Bündnispartner, wie das globalisierungskritische Netzwerk Attac.
Wir begrüßen die Blockaden von US-Militärbasen,
sagt deren Sprecher Malte Kreutzfeldt. Attac könne zwar nicht offiziell
zu illegalen Aktionen aufrufen. Doch wenn es zu einem völkerrechtswidrigen
Angriffskrieg der USA kommt, stellt sich die Frage, ob solche Aktionen
noch eine Ordnungswidrigkeit darstellen.
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oben
Quelle: Financial Times Deutschland online, 15.3.03
Kriegsgegner protestieren vor Frankfurter
Airbase
FTD schrieb: "Mit einer Sitzblockade vor dem US-Luftwaffenstützpunkt
in Frankfurt haben am Samstag nach Angaben der Polizei rund 1400 Kriegsgegner
gegen einen drohenden Irak-Krieg demonstriert. Auch Zehntausende von Europäern
haben am Samstag gegen einen Krieg im Irak demonstriert. ... "
Leider hat der Verlag Gruner + Jahr wegen der Widergabe des Artikels eine Lizensierung gefordert und andernfalls rechtliche Schritte angedroht . Da "resist" sich weder einen Prozess noch online-Nutzungsbebühren leisten kann, müssen wir die bisher hier abgedruckte kostenlose Werbung für die Financial Times leider beenden.
> nach oben
Quelle: TAZ vom 15.3.03
Abertausende auf Friedensdemos
Rund 100.000 Menschen bilden eine 35 Kilometer lange
Lichterkette durch Berlin. Blockade der Rhein-Main-Airbase in Frankfurt
verläuft weitgehend friedlich. "Resist" fordert: Keine
Überflugsrechte für US-Armee. Friedensdemos auch anderswo
von MATTHIAS BRAUN
"Wir hatten mit maximal 30.000 Menschen gerechnet."
Kurt Jotter, Mitinitiator der Lichterkette durch die Bundeshauptstadt,
konnte es gestern immer noch nicht recht glauben. Denn vom bürgerlichen
Spandau im Westteil Berlins bis in den Plattenbaustadtteil Hellersdorf
hatten sich am Samstag 100.000 Berliner zu einer Lichterkette zusammengefunden.
Mit Taschenlampen, Kerzen und Fackeln ausgerüstet,
stellten sich einige Teilnehmer nahe der US-Botschaft zu dem Schriftzug
"No war" zusammen. Insgesamt, so die Veranstalter, sei die Lichterkette
gegen den drohenden Irakkrieg 35 Kilometer lang gewesen. "Die ganze
Aktion können wir getrost als Weltrekord verbuchen", sagte der
Künstler Jotter gestern zur taz. Vielleicht nehme die Bush-Administration
ja das Guinnessbuch der Rekorde ernst.
Auch in anderen Städten trafen sich mehrere tausend
Kriegsgegner zu Kundgebungen. Vor der Rhein-Main-Airbase der US-amerikanischen
Streitkräfte bei Frankfurt blockierten Demonstranten mehrere Zufahrtswege.
Die Polizei sprach von 900 Teilnehmern, ein Vertreter der Kampagne "Resist
the war" von rund 2.000. Die Aktion, die gerichtlich untersagt worden
war, verlief friedlich. "Wir waren erstaunt über die Entschlossenheit
der Blockadeteilnehmer", lobte sich Mitveranstalter Christoph Bautz
gestern gegenüber der taz. Auch nach der dritten polizeilichen Aufforderung,
das Haupttor des Flugplatzes freizugeben, sei niemand aufgestanden.
Die Polizei habe erst nach drei Stunden begonnen, die Blockierer
wegzutragen. Sie sei dabei vorsichtig vorgegangen, so Bautz. Die Behörden
gaben an, von 150 Menschen Personalien aufgenommen und 77 Demonstranten
vorübergehend in Gewahrsam genommen zu haben. In der Umgebung des
Flugplatzes hatte die Polizei Straßensperren eingerichtet. Demonstranten,
die mit dem Zug anreisten, wurden kontrolliert. Agenturen meldeten, es
seien bis zu 400 Beamte eingesetzt worden.
Im baden-württembergischen Karslruhe versammelten sich
knapp 10.000 Menschen zu einer Kundgebung. Rund 4.000 Nürnberger
bildeten eine Menschenkette rings um den Altstadtkern der fränkischen
Stadt. Auf dem Kasseler Königsplatz formierten sich circa 1.000 Menschen
zu einem Friedenszeichen. Im der Studentenstadt Freiburg protestierten
100 irakische Kurden gegen einen Krieg in ihrem Heimatland.
Die politische Forderung der Demonstranten richtete sich
überwiegend gegen die Pläne der US-Regierung, im Irak mit Waffengewalt
einen Regimewechsel zu erzwingen. Hingegen sagte Christoph Bautz für
die Veranstalter der Sitzblockade bei Frankfurt am Main: "Unsere
Message an die Bundesregierung ist: keine Überflugsrechte, keine
Nutzung militärischer Einrichtungen in Deutschland durch die amerikanischen
Streitkräfte." Bautz betonte, die "Resist"-Initiative
werde am zweiten Samstag nach Kriegsbeginn wieder eine Sitzblockade vor
der Rhein-Main-Airbase initiieren.
Auch die Kirche wirbt weiter aktiv gegen ein militärisches
Vorgehen im Irak. Vertreter katholischer Orden und Verbände im Bistum
Limburg übergaben am Freitag 15.000 Unterschriften gegen den Krieg
an Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD).
Bundespolitiker hielten sich von den Demonstrationen am
Wochenende fern. Allerdings unterstützten die Landesverbände
von SPD und Grünen die Lichterkette in Berlin. Sie hatten auch mit
Berliner Künstlern, Kirchenverbänden und dem Gewerkschaftsbund
dazu aufgerufen.
taz Nr. 7006 vom 17.3.2003, Seite 8, 119 Zeilen (TAZ-Bericht),
MATTHIAS BRAUN
> nach oben
Quelle: CNN.com, 15.3.03
War protesters cling to hope
WASHINGTON (AP) --Some thought war is inevitable, others
clung to hope they could slow or stop it. Either way, people in Washington
and around the world joined Saturday in an outpouring of dissent no less
persistent than the buildup of forces ready to strike Iraq.
The cries against war were summarized on the swarming grounds
of the National Mall by Sally Baker, a teacher from Albany, New York:
"It's not right. It's not just. It's not going to make us any safer."
People rallied worldwide, in some cases pressing close to
symbols of American power: the Washington Monument and the White House
in Washington, the U.S. air base in Frankfurt, Germany, and U.S. embassies
in Greece and Cyprus. They also took to the streets throughout Europe,
Asia and the Middle East.
The rhetoric against U.S. policy was harsh from the stage
in Washington but many in the crowd believed Saddam Hussein must somehow
be contained -- only not by an invasion, or at least not yet.
Lewis Wheeler, who came from Boston, Massachusetts, said
Bush appears all too eager to unleash the troops when he should be giving
U.N. weapons inspections in Iraq more time to work.
"It seems like there is momentum building to use these
soldiers," he said. "It's more glamorous to go to war than to
hang in there with inspections for months and months and do the hard work."
In Baghdad, Iraq, where the reality of U.S. power could
arrive any day, hundreds of thousands protested against the policies of
the country poised to invade them, in rallies organized by authorities.
Whether fatalistic or feeling they could still make a difference,
Americans came from great distances to challenge the march toward war
and President Bush's justifications for it. They said they were restless.
"The only thing I can do is get out in the street and
say 'You're not doing this in my name,"' said Judy Ripley, 50, in
Washington from Fort Myers, Florida.
Judy Robbins, 54, of Sedgwick, Maine, came on an 18-hour
bus trip with her daughter Zoe, a nurse. "The alternative to being
here," she said, "is just to stay home and give up."
District of Columbia police said 20 or more protesters,
among about 100 who broke away from the rally, rushed inside the World
Bank headquarters, where six were arrested for unlawful entry and others
escaped by smashing a window.
Fifty yards from the Washington Monument, a display of poster-sized
photographs showed Iraqi citizens going about their everyday activities.
They were described as future war victims.
Iraqi civilians were on Heidi Johnson's mind at a rally
drawing several hundred people in Concord, New Hampshire. "It about
brings me to tears, the thought that women and children are going to be
killed in this war," said Johnson, 53.
In Washington, U.S. Park Police said permits were issued
for 20,000 to march but the gathering seemed larger. The force no longer
estimates rally attendance.
Protest organizers estimated the crowd was in the tens of
thousands. It was smaller than some previous demonstrations in the capital
against war with Iraq, in part because the date was changed and people
had less time to prepare.
A companion rally in San Francisco also drew a smaller crowd
of lively participants, including a group called Queers for Palestine
and a trio of young women wearing see-through dresses and carrying signs
reading, "War is not sexy."
Although Bush has not been swayed by demonstrations, Gary
Sellani, 46, said "the protests around the world have given him great
pain in the U.N. and given the U.N. backbone. That will probably be his
downfall in 2004."
Sentiments at the world protests were as varied as the locales,
with many people saying Saddam is no threat; others insisting the dangers
he poses can be dealt with short of warfare.
Rep. John Conyers, D-Michigan, told the Washington rally:
"We need a regime change in the United States." But he added
that Saddam should be tried for war crimes.
Several dozen people stood on a Pennsylvania Avenue corner
to challenge the antiwar activists. "We've got to take action,"
said Ainsley Hargus, 18, of Rockville, Maryland, a college freshman. "Sitting
in a circle singing Kumbaya isn't going to change anything."
In Moundsville, West Virginia, police said 3,000 to 3,500
people rallied in support of Bush and the more than 2,500 West Virginian
National Guard and reserve members called to active duty.
Nancy Doty, who had three brothers in World War II and another
brother killed in Korea, watched a pre-rally parade, her poodle dressed
in red, white and blue. "I'm here to support the fellas," she
said. "I hate to see the boys go, but if they have to go, I'm for
them."
In Jackson, Michigan, where people rallied in a park, Jann
Krupa, 54, dared hope the peace mobilization would make a difference.
"I think it's pretty obvious that the president is going to do this,"
she said.
But each week brings more protesters out, she said. "There
is still a shred of hope."
Bush spent Saturday at the Camp David, Maryland, presidential
retreat before his trip Sunday to the Azores Island for a meeting with
British and Spanish counterparts. With the diplomatic endgame under way,
the leaders are trying one more time to win U.N. Security Council support
for a war resolution.
With some 250,000 soldiers, aviators and sailors deployed
against Iraq, many at the Washington rally emphasized that they -- like
those who support a war -- were thinking of the troops' well-being.
"We shouldn't send them over there unless we know it's
the right thing to do," said Ferris Donoso of Rockport, Maine. "These
are people with families they've left behind. I'm not going to ask them
to fight this war."
She carried a sign reading, "Support Our Troops.
Bring Them Home."
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Quelle: Der Tagesspiegel, 17.3.03
Der liebe Frieden
Plötzlich sind sie wieder da: Millionen demonstrieren in aller Welt
gegen den Krieg, als hätte es die Protestflaute der 90er Jahre nie
gegeben. Aber es sind nicht mehr die Gleichen wie einst. Nicht mehr so
dogmatisch, und manchmal haben sie auch anderes zu tun. Typologie einer
Bewegung.
Von Thomas Loy
Neulich in Ebersberg. Ein Städtchen bei München
mit viel Wald und einer Arbeitslosigkeit unter vier Prozent. Ebersberg,
Rathaus. Ein Trupp Inspekteure in weißen UN-Kitteln dringt in die
Büroräume ein und sucht nach waffenfähigem Material. Von
Bleistiften werden Proben abgeschabt. Es besteht der dringende Verdacht,
auf Graphit zu stoßen, einen Stoff, aus dem Bomben gemacht werden
können oder eben Bleistifte.
Eine Farce als Protestaktion der Bürgerinnen
gegen den Krieg im Landkreis Ebersberg. Jahrelang hatte hier Ruhe
geherrscht. Alles war eingeschlafen in den 90er Jahren, sagt
Aktivist Peter Gebel. Dann kam der Kosovo-Krieg, und einige Ebersberger
konnten die Ruhe nicht länger ertragen. Sie gingen auf die Straße,
sie organisierten Aktionen. Ohne sich dessen bewusst zu sein, erfüllten
sie damit eine der Kategorien, die Soziologen für Neue soziale
Bewegung aufgestellt haben: Protest als Mittel.
Bei den Worten Neue soziale Bewegung bekommen
die Augen vieler Alt-Linker einen wehmütigen Glanz. Studentenbewegung,
Umweltbewegung, Friedensbewegung. Ihre große Zeit waren die 70er
und 80er Jahre. Dann ging der Kalte Krieg zu Ende. Kaum jemand hatte noch
Lust, auf Demos zu gehen oder Nistplätze für den Turmfalken
zu retten. Sieht man einmal von den Demonstrationen beim Golfkrieg 1991
ab, ostermarschierten die Reste der Friedensbewegung zeitweilig unterhalb
der medialen Wahrnehmungsschwelle.
Bis zum 15. Februar: Eine halbe Million Menschen protestieren
in Berlin gegen einen Irak-Krieg. Es sind so viele wie vor mehr als 20
Jahren bei der Bonner Hofgarten-Demonstration gegen die Nachrüstung.
In nahezu jeder Stadt gibt es seit Wochen Montagsdemonstrationen, Friedensgebete,
Mahnwachen, Schweigemärsche oder Lichterketten die längste
vor zwei Tagen in Berlin. Was ist passiert? Ist sie wiederauferstanden,
die totgeglaubte Friedensbewegung? Ist es vielleicht eine ganz neue Antikriegsbewegung,
womöglich kraftvoller und überzeugender als die alten Make-love-not-war-Totalverweigerer?
Oder gehen die Hunderttausende nur gegen diesen speziellen Krieg auf die
Straße, und danach ist wieder Ruhe?
Erste Instanz für solche Fragen ist Dieter Rucht, Bewegungsforscher
am Wissenschaftszentrum Berlin. Früher hat er selber demonstriert,
gegen den Vietnamkrieg, gegen Atomkraft und Aufrüstung, heute analysiert
der 56-jährige Soziologieprofessor lieber die Protestmärsche
anderer.
Die alten Kämpen?
Am 15. Februar ließ Rucht 1430 Fragebögen verteilen.
Rund die Hälfte kam zurück. Es waren hauptsächlich Abiturienten
und Akademiker, die da auf die Straße gegangen waren. 64 Prozent
stuften sich als links ein, 19 Prozent sogar als sehr
links. Zwei Drittel schenken Bürgerinitiativen und sozialen
Bewegungen ihr Vertrauen, nur drei Prozent den Parteien. Und: 76 Prozent
bekennen sich zum Glauben, dass Kriege immer falsch seien.
Sieht also ganz nach der alten Friedensbewegung aus. Oder?
Ruchts Bewertung bleibt zurückhaltend: Nach dem Ende
der Irak-Krise werde die Bewegung wieder auf einen harten Kern zusammenschmelzen
ein paar hundert, vielleicht auch ein paar tausend Aktivisten.
Aber dieser harte Kern ist zäh, hat die friedenspolitische Dürreperiode
der 90er Jahre fast unbeschadet überstanden. Einige der alten Kämpen
mischen jetzt wieder mit, und doch hat sich sehr viel geändert. Hinzugekommen
sind die Globalisierungskritiker von Attac und viele spontan gebildete
Antikriegsgruppen. Zur Demonstration am 15. Februar hatten neben den Leuten
von Attac und Friedensbewegten auch Menschenrechtler, Ökofundis,
Exiliraker, Christen, Moslems, Gewerkschafter, Künstler, Schriftsteller,
Marxisten, Sozialisten und Bündnisgrüne aufgerufen. Sogar Dr.
Motte von der Love Parade wollte nicht abseits stehen. Eine bunte Truppe
gegen den Krieg. Wer gehört da nun zum Kern der Bewegung?
Die Forscher tappen noch weitgehend im Dunkeln. Eine soziale
Bewegung lässt sich zwar theoretisch beschreiben klassische
Merkmale sind der Protest, ein kollektives Wir-Gefühl,
eine lose Vernetzung und eine gewisse Kontinuität , aber über
ihr komplexes Innenleben gibt es kaum aussagefähige Studien. Bewegungen
erscheinen von außen wie eine amorphe Masse, sagt Rucht.
Beginnt man empirisch hineinzufragen, sei das wie ein Stochern im
Nebel. Davon nehmen viele Sozialforscher lieber Abstand.
Wir stochern trotzdem mal und testen die Macher des Protests
auf ihre Bewegungstauglichkeit: einen Friedensaktivisten, einen Kampagnenmanager
und einen geistigen Vordenker, der schon der alten Friedensbewegung zu
Diensten war.
Der Aktivist liegt zwischen mehreren Isolierschichten Daunen
und Kunstfaser unter der Weltzeituhr auf dem Berliner Alexanderplatz.
Zur Kälte kommt erschwerend hinzu, dass gehungert wird. Hungerstreik
für den Frieden. Felix Pahl ist Anfang 30 und ein konzentrierter
Denker auch nach elf Tagen Fastenzeit. In Cambridge machte er seinen Doktor
in Physik. Im vergangenen Jahr tourte er fünf Monate durch die USA,
um sich nach einer geeigneten Uni für ein Philosophiestudium umzusehen.
Gefunden hat er keine, dafür reifte in ihm die Gewissheit, hier in
Europa etwas tun zu müssen.
Pahl trat ins Antikriegskomitee Prenzlauer Berg
ein, ein loses Bündnis aus Parteien, linken Gruppen und Einzelpersonen.
Trotz verschiedener Anwerbungsversuche blieb er ideologieresistenter Einzelaktivist.
Mit linken Systemveränderern verbindet ihn nicht viel. Er ging auf
Demonstrationen, blockierte den Zugang zur US-Air-Base in Frankfurt am
Main, verteilte Info-Flyer in Berliner U-Bahnen und setzte sich schließlich
auf den Alexanderplatz. Felix Pahl ist nicht grundsätzlich gegen
militärische Interventionen. Nur eben gegen diesen Irak-Krieg. Pahl
wünscht sich, diese Antikriegs-Kampagne möge in eine neue
68er-Zeit münden. Einen solchen gesellschaftlichen Aufbruch
würde er gerne mitgestalten.
Ist Felix Pahl ein Prototyp der neuen Friedensbewegung?
Individualist, Pragmatiker und gleichzeitig Idealist? Wie definiert er
sich? Ich würde schon die Frage in Frage stellen. Definitionen
beschränken das Denken. Auf den vielen Demos ist Pahl klar geworden,
wie zersplittert die Linke ist. Viel zu viele Standpunkte
unter dem gemeinsamen Dach des Antikriegskurses. Das klingt nicht unbedingt
bewegungsfördernd.
Bewerten wir also den Friedensaktivisten Pahl nach streng
soziologischen Kriterien. Protest als Mittel: ja. Kollektives Wir-Gefühl:
nein. Vernetzung: ja. Kontinuität: ja.
Der Protestmanager hat seinen Sitz in Verden an der Aller.
Dieser Tage bringen die Bauern dort die Gülle auf die Felder. Außer
diesem spezifischen Geruch fällt hier nichts Besonders auf. Warum
bloß Verden an der Aller? Und dann noch Artilleriestraße 6?
Attac-Mitgründer Christoph Bautz lächelt sanftmütig.
Man war eben vor zehn Jahren auf der Suche nach alternativem Leben, und
aus Verden waren gerade die britischen Soldaten abgezogen, da gab es Platz.
Nicht genug, wie sich bald herausstellen sollte. Inzwischen ist das Attac-Bundesbüro
nach Frankfurt am Main umgezogen. Bautz aber blieb in Verden, weil er
seine Groß-WG nicht im Stich lassen wollte. Seitdem kümmert
sich der 30-Jährige um Resist, die Antikriegskampagne
von Attac und diversen Friedensgruppen. Die Wahl fiel auf ihn, weil er
schon in der Anti-Atom-Bewegung aktiv war. Bautz weiß, wie man Aktivisten
so gruppiert, dass sie eine Polizeikette sprengen können. Und wie
man danach vor den Richter tritt. Was ihn motiviert, ist vor allem der
Erfolg, wenn statt 1000 plötzlich 3000 Leute an einer Blockade
teilnehmen. Dafür ackert er 60 bis 70 Stunden in der Woche
ehrenamtlich. Wenn die Antikriegs-Kampagne vorbei ist, will sich
Bautz wieder um seine eigentlichen Anliegen kümmern: das Anprangern
von Steuerflucht und verfehlter Verkehrspolitik.
Legen wir auch an ihn unsere Bewertungskriterien an. Protest
als Mittel: ja. Kollektives Wir-Gefühl: nein. Vernetzung: ja. Kontinuität:
nein.
Bautz fällt klar durchs Bewegungsraster. Ruht die Hoffnung
also auf dem Grandseigneur des deutschen Pazifismus: Horst-Eberhard Richter,
Ehrenpräsident von Ärzte gegen den Atomkrieg. Richter
war schon 1984 in Mutlangen dabei, um gegen die Pershing- II-Raketen zu
protestieren. Am 15. Februar, inzwischen 80 Jahre alt, sprach er vor 50000
Menschen in Stuttgart, davor war er in Graz, Wien, Salzburg, Göttingen,
Wiesbaden, Mainz, zweimal an der Airbase in Frankfurt. Bin völlig
k.o., sagt der schmächtig gewordene Professor für Psychoanalyse.
Und: Ich denke, der Krieg wird bald losgehen. Nicht dass er
deswegen resigniere im Gegenteil. Denn die jetzige Bewegung sei
anders als die der 80er Jahre: breiter, internationaler, aufgeschlossener,
toleranter, mit mehr Pro und weniger Contra. Die alten Veteranen des antiimperialistischen
Widerstands ließen sich zwar wieder blicken, hätten aber nichts
mehr zu sagen. Die DKP-Leute kommen heute ohne ihre Fahnen.
Die Grabenkämpfe um Wortführerschaft und ideologische Ausgrenzung
alles passé, findet er.
Jetzt sitzen ihm vier Schüler gegenüber in seiner
Gießener Praxis. Auf ihrer Jugendzukunftskonferenz soll
er sprechen. Thema Irak-Konflikt. 150 Schüler würden kommen.
Ach, das ist ja gar nichts, mokiert sich Richter. Versöhnt
ist er erst, als versichert wird, dass außer ihm zwei Frauen auf
dem Podium sitzen werden. Progressiv, sehr schön.
Die Bestnote
Er wird seine Rede wieder mit einer einfachen Frage beginnen:
Wie alt bist du? 18? In deinem Alter bin ich in den Krieg gezogen
Richter erzählt dann von der Ostfront, vom Tod seiner Eltern und
landet irgendwann bei Gorbatschow. Das war damals eine große
Hoffnung: Eine andere Welt ist möglich. Richter lehnt sich
vor, mit Verve in der Stimme. Und sinkt wieder zurück. Na ja,
dann wurde Gorbatschow eben abgesägt. Aber wegen solcher Erfahrungen
aufhören zu kämpfen? Ein Horst-Eberhard Richter doch nicht.
Er war und ist Optimist und mittlerweile auch Attac-Mitglied.
Weshalb Vordenker Richter auch eine eindeutige Bewertung
bekommt. Protest als Mittel: ja. Kollektives Wir-Gefühl: ja. Vernetzung:
ja. Kontinuität: ja. Der Altvater der Friedensbewegung ist also noch
voll bewegungstauglich, der Nachwuchs nur bedingt. Ein Indiz für
das Absterben sozialer Bewegungen?
Dieter Rucht lässt sich seinen Forschungsgegenstand
nicht so einfach ausreden. Der Charakter von Bewegungen habe sich verändert
sie seien weniger an soziale Milieus gebunden, bündnisfähiger
und thematisch flexibler als früher. Wenn Polizisten, Zahnärzte
oder Lehrer demonstrieren, übernähmen sie quasi das Politikmodell
der sozialen Bewegung. Rucht hat schon mal darüber nachgedacht, ob
wir uns auf dem Weg in eine Bewegungsgesellschaft befinden.
Der Bundesregierung hat er gerade ein Gutachten geschrieben Kernaussage:
Das Protestvolumen nimmt seit 1950 kontinuierlich zu.
Wie also steht es um den lieben Frieden? Er steht weiterhin
links, aber er ist nicht mehr so marxistisch-dogmatisch unterwandert wie
früher. Wer gegen Krieg ist, muss sich nicht mehr schämen, dass
er sonst recht zufrieden ist. Für Frieden wird friedlicher gestritten,
wenn auch nicht mehr so bewegt. Man hat halt noch anderes zu tun im Leben.
Wer sich freimachen kann, wird aber gewiss vorbeischauen: Der nächste
Protesttermin ist der Tag X. Kriegsbeginn.
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AP, Samstag 22. März 2003,
20:30 Uhr
Sitzblockade vor US-Airbase Spangdahlem
Spangdahlem (AP) Kriegsgegner haben am Samstag rund vier
Stunden lang das Haupttor des US-Luftwaffenstützpunkts Spangdahlem
in der Eifel blockiert. Nach Angaben von Friedensaktivisten nahmen an
der Blockade zeitweise rund 150 Personen teil. Die
Polizei löste die Protestaktion gegen 20.00 Uhr auf und trug die
letzten 50 Demonstranten von der Zufahrtsstraße. Die Proteste blieben
insgesamt friedlich.
Zu einer ersten Konfrontation mit der Polizei war es gekommen,
als am Samstagnachmittag etwa 20 Demonstranten zwei am Stützpunkt
vorbei fahrende
Lastzüge des US-Militärs anhielten. Die Kriegsgegner setzten
sich auf die Straße und hinderten die Fahrzeuge so an der Weiterfahrt.
Wie Polizeisprecherin Monika Peters berichtete, forderte
die Polizeiführung die Demonstranten auf, die Straße wieder
frei zu geben. Als die Blockierer der Aufforderung
nicht nachkamen, wurden sie von Bereitschaftspolizisten weg getragen.
Dabei soll ein Demonstrant leicht verletzt worden sein. Die Betroffenen
erhielten Platzverweise
und ihre Personalien wurden aufgenommen.
Zuvor hatten rund 250 Menschen aus Rheinland-Pfalz und den
angrenzenden Regionen auf einer Kundgebung vor dem Fliegerhorst gegen
den Irak-Krieg demonstriert.
Redner warnten dabei vor den Folgen des Krieges für die irakische
Zivilbevölkerung. Auf Transparenten war unter anderem zu lesen: "Kein
Blut für Öl", "Widerstand
ist möglich" und "Amis, denkt an Vietnam".
Einer der Organisatoren, Markus Pflüger von der
Trierer Arbeitsgemeinschaft Frieden, sagte, niemand gebe sich der Illusion
hin, er könne durch die Blockadeaktion
etwas verhindern: "Trotzdem wollen wir ein Zeichen setzen."
Pflüger sagte, auch wenn von Spangdahlem aus keine Angriffe auf den
Irak geflogen würden, spiele
der Luftwaffenstützpunkt vermutlich eine Rolle bei der Lieferung
von Nachschub für die US-Truppen am Persischen Golf.
> nach oben
Titelseite Rhein-Main Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung,
30.03.2003, Nr. 13, S. R1
Blockade durch Polizei beendet
Die FASZ schrieb: "FRANKFURT (lhe). Die Polizei hat gestern eine Sitzblockade ..."
(Aus urheberrechtlichen - die Rechtslage ist uns zu unsicher - und Kostengründen gibt "resist" nicht den vollständigen Artikel aus der F.A.Z. wieder. Kostenpflichtig abrufbar ist er bei Angabe der Überschrift über www.faz-archiv.de. Infos über die Nutzungsrechts-Konditionen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung siehe www.faz-archiv.de/nutzungsrechte).
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Frankfurt Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.03.2003, Nr.
76, S. 46
Polizei beendet Air-Base-Blockade
Die FAZ schrieb: "Nach einer mehrstündigen Sitzblockade vor ..."
(Aus urheberrechtlichen - die Rechtslage ist uns zu unsicher - und Kostengründen gibt "resist" nicht den vollständigen Artikel aus der F.A.Z. wieder. Kostenpflichtig abrufbar ist er bei Angabe der Überschrift über www.faz-archiv.de. Infos über die Nutzungsrechts-Konditionen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung siehe www.faz-archiv.de/nutzungsrechte).
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Rhein-Main Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 16.03.2003,
Nr. 11, S. R2
Polizei beendet Blockade
Die FASZ schrieb: "Etwa 1000 Menschen protestierten gestern vor der amerikanischen Air Base ..."
(Aus urheberrechtlichen - die Rechtslage ist uns zu unsicher - und Kostengründen gibt "resist" nicht den vollständigen Artikel aus der F.A.Z. wieder. Kostenpflichtig abrufbar ist er bei Angabe der Überschrift über www.faz-archiv.de. Infos über die Nutzungsrechts-Konditionen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung siehe www.faz-archiv.de/nutzungsrechte).
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Frankfurt Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.03.2003, Nr.
64, S. 44
Auf Strohsäcken gegen einen
Krieg im Irak
Von der Bedeutung, bei einer Blockade zu einer Gruppe zu gehören
Die FAZ schrieb: "Die grau gelockte Dame mit der Friedenstaube am Revers ist empört ..."
(Aus urheberrechtlichen - die Rechtslage ist uns zu unsicher - und Kostengründen gibt "resist" nicht den vollständigen Artikel aus der F.A.Z. wieder. Kostenpflichtig abrufbar ist er bei Angabe der Überschrift über www.faz-archiv.de. Infos über die Nutzungsrechts-Konditionen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung siehe www.faz-archiv.de/nutzungsrechte).
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Frankfurt Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.03.2003,
Nr. 61, S. 42
Demonstration vor der Air Base verboten
lhe schrieb für die FAZ: "Das Ordnungsamt hat eine für Samstag geplante Anti-Kriegs- Demonstration ..."
(Aus urheberrechtlichen - die Rechtslage ist uns zu unsicher - und Kostengründen gibt "resist" nicht den vollständigen Artikel aus der F.A.Z. wieder. Kostenpflichtig abrufbar ist er bei Angabe der Überschrift über www.faz-archiv.de. Infos über die Nutzungsrechts-Konditionen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung siehe www.faz-archiv.de/nutzungsrechte).
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Frankfurt Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.03.2003, Nr.
63, S. 62
Demonstration an der Air Base erlaubt
Gerichte weisen Verbot zurück und geben "Resist" recht
/ Mahnminuten in hessischen Betrieben
trau schrieb für die FAZ: "Der Hessische Verwaltungsgerichtshof (VGH) in Kassel hat die für ..."
(Aus urheberrechtlichen - die Rechtslage ist uns zu unsicher - und Kostengründen gibt "resist" nicht den vollständigen Artikel aus der F.A.Z. wieder. Kostenpflichtig abrufbar ist er bei Angabe der Überschrift über www.faz-archiv.de. Infos über die Nutzungsrechts-Konditionen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung siehe www.faz-archiv.de/nutzungsrechte).
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Quelle: Berliner Zeitung, 29. August 2003
FRIEDENSBEWEGUNG
Bußgeld für Ungehorsam
Regina Kerner
BERLIN, 28. August. Anfang der 80er-Jahre demonstrierten Anhänger
der westdeutschen Friedensbewegung mit Sitzblockaden vor dem US-Raketenstützpunkt
in Mutlangen gegen den Nato-Doppelbeschluss und die Nachrüstung.
Die Blockierer wurden weggeschleppt und zu tausenden später wegen
Nötigung verurteilt.
Im März 2003 saßen wieder Friedensdemonstranten vor einem US-Stützpunkt.
An der Rhein-Main-Airbase in Frankfurt protestierten sie gegen den Irak-Krieg
der USA. Mit der Kritik, dass der Krieg völkerrechtswidrig war, lagen
sie auf einer Linie mit der rot-grünen Bundesregierung - eine ganz
andere Situation als 20 Jahre zuvor in Mutlangen. Nach der genehmigten
Kundgebung vor dem Airbase-Haupttor gab es als Akt zivilen Ungehorsams
eine symbolische Blockade. Symbolisch, weil andere Zufahrten passierbar
blieben. Dennoch forderte die Polizei die Demonstranten auf, sich zu entfernen.
Wer sitzen blieb, soll nun ein Bußgeld zahlen. Denen, die sich beim
Nachbarn unterhakten, wird jetzt strafbarer Widerstand gegen die Staatsgewalt
vorgeworfen. Protestierer, die andere Zufahrten schließen wollten,
kommen wegen Nötigung vor Gericht.
Gang nach Karlsruhe
Auch im nordrhein-westfälischen Geilenkirchen hatte es Sitzblockaden
gegen den Irak-Krieg gegeben. Friedensbewegte blockierten die Nato-Airbase,
von der aus die Awacs-Aufklärer in die Türkei starten sollten.
Die Polizei sah nur ruhig zu, bis der letzte Demonstrant nach Hause ging.
Der Verdacht liegt nahe, dass im SPD-regierten Nordrhein-Westfalen die
Polizei zu Zurückhaltung aufgefordert war - anders als im CDU-Land
Hessen.
Die Kampagne Resist, Organisator der Blockaden, kündigt an, dass
alle Belangten Einspruch einlegen. Wenn nötig, gehe man bis nach
Karlsruhe. Das sei auch die letzte Chance, dass sich das höchste
Gericht mit der Rolle der Bundesregierung im Irak-Krieg befasst. Dass
sich Karlsruhe mit der heiklen Frage befasst, ist eher unwahrscheinlich.
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Quelle: Der Standart, Wien, 28.08.03
Juristische Konsequenzen für
deutsche Irak-Krieg-Demonstranten
Im März hatten sie die US-Airbase in Frankfurt
blockiert - Stadt verschickt Bußgeldbescheide
Frankfurt/Köln - Den Demonstranten, die sich im Frühjahr aus
Protest gegen den Irak-Krieg an einer Blockadeaktion der US-Airbase in
Frankfurt am Main beteiligt hatten, drohen rechtliche Konsequenzen. Wie
die Organisation "resist the war", unter deren Federführung
die Proteste stattfanden, am Mittwoch mitteilte, erging gegen die Organisatoren
und einige Beteiligten Strafbefehl. Weitere rund 1.300 Kriegsgegner, die
vorübergehend festgenommen worden seien, hätten Bußgeldbescheide
über jeweils 118,50 Euro erhalten.
Die Frankfurter Staatsanwaltschaft konnte den Erlass der Strafbefehle
nicht bestätigen. Zwar sei im Zusammenhang mit den Aktionen an insgesamt
drei Tagen gegen mehrere Beteiligte Strafbefehl beantragt worden, sagte
ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Zumindest für die Vorfälle
am 20. März sei aber bisher kein Strafbefehl ergangen, da zunächst
weitere Nachforschungen angestellt werden sollten. In drei Fällen
sei zur Klärung der Geschehnisse eine Hauptverhandlung angeordnet
worden. Der Erlass der Bußgeldbescheide wurde vom Leiter des Frankfurter
Ordnungsamtes jedoch bestätigt.
Einspruch gegen Bescheid
Resist zufolge haben nahezu alle Betroffenen Einspruch gegen die Bescheide
eingelegt. Sie wollten sich aktiv vor Gericht gegen die Vorwürfe
zur Wehr setzen, hieß es. Der Organisation zufolge sollen erste
Prozesse, bei denen es um Verstöße gegen das Versammlungsgesetz
und den Vorwurf der Nötigung gehen soll, bereits im September und
Oktober in Frankfurt stattfinden.
Die Kriegsgegner wollten dabei die Politik der kriegsführenden Staaten
und der Bundesregierung öffentlich anprangern und die Völkerrechts-
beziehungsweise Grundgesetzwidrigkeit des Irak-Krieges feststellen lassen,
hieß es in einer Pressemitteilung. In diesem Falle hätten Bürger
die Pflicht zum gewaltfreien Widerstand. Man sei bereit, die Prozesse
gegebenenfalls bis zum Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe durchzustreiten.
(APA/AP)
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Quelle: Dieburger Zeitung, 28.08.03
Blockierer der US-Airbase sollen zahlen
Frankfurt/Köln (AP) - Den Demonstranten, die sich im
Frühjahr aus Protest gegen den Irak-Krieg an einer Blockadeaktion
der US-Airbase beteiligt hatten, drohen rechtliche Konsequenzen. Wie die
Organisation "resist the war", unter deren Federführung
die Proteste stattfanden, gestern mitteilte, erging gegen die Organisatoren
und einige Beteiligten Strafbefehl. Weitere rund 1300 Kriegsgegner, die
vorübergehend festgenommen worden seien, hätten Bußgeldbescheide
über jeweils 118,50 Euro erhalten.
Die Frankfurter Staatsanwaltschaft konnte den Erlass der Strafbefehle
nicht bestätigen. Zwar sei gegen mehrere Beteiligte Strafbefehl beantragt
worden, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Zumindest für
die Vorfälle am 20. März sei aber bislang kein Strafbefehl ergangen.
Der Erlass der Bußgeldbescheide wurde vom Leiter des Frankfurter
Ordnungsamtes jedoch bestätigt.
Resist zufolge haben nahezu alle Betroffenen Einspruch gegen die Bescheide
eingelegt. Sie wollten sich aktiv vor Gericht gegen die Vorwürfe
zur Wehr setzen, hieß es. Der Organisation zufolge sollen erste
Prozesse, bei denen es um Verstöße gegen das Versammlungsgesetz
und den Vorwurf der Nötigung gehen soll, bereits im September und
Oktober stattfinden. Die Kriegsgegner wollten dabei die Politik der kriegsführenden
Staaten und der Bundesregierung anprangern und die Völkerrechts-
beziehungsweise Grundgesetzwidrigkeit des Irak-Krieges feststellen lassen.
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Quelle: Frankfurter Rundschau, 28.08.03
ANTI-KRIEGS-PROTESTE
Friedensbewegung erwartet Prozesslawine
BONN, 27. August (kna). Vier Monate nach Ende des Irak-Konflikts rechnet
die deutsche Friedensbewegung mit einer Prozesslawine gegen Kriegsgegner.
Mehr als 1300 Menschen, die sich im Frühjahr an gewaltfreien Widerstandsaktionen
vor der US-Airbase in Frankfurt am Main beteiligt hatten, hätten
inzwischen Bußgeldbescheide über jeweils 118,50 Euro erhalten,
teilte das Netzwerk Friedenskooperative am Mittwoch in Bonn mit. Zusätzlich
seien gegen einige der Beteiligten wegen des Vorwurfs der Nötigung
und gegen Koordinatoren der "Resist The War"-Kampagne wegen
Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz Strafbefehle erlassen worden.
Nahezu alle Betroffenen hätten Einspruch gegen die Bescheide eingelegt.
Die Friedensbewegung bewertete das Vorgehen der Behörden
als Einschüchterungskampagne, die nicht den erwünschten Erfolg
gebracht habe. Alle Betroffenen würden sich vor Gericht "gegen
die erhobenen Vorwürfe zur Wehr setzen". Erstmals seit den achtziger
Jahren werde es wieder Massenprozesse wegen gewaltfreien Widerstandes
gegen Krieg geben. Erste Prozesse seien bereits für September geplant.
Die Beschuldigten wollten darin deutlich machen, dass der Irak-Krieg gegen
Völkerrecht und Grundgesetz verstieß.
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Quelle: junge Welt, 28.08.2003
Prozeßlawine gegen Kriegsgegner droht
Bußgeldbescheide und Strafbefehle
wegen Blockade der US-Airbase bei Frankfurt/Main im Frühjahr
An mehr als 1300 Personen, die im Frühjahr im Rahmen der Kampagne
"resist the war" gegen den Irak-Krieg demonstriert hatten, sind
Bußgeldbescheide über 118,50 Euro wegen Ordnungswidrigkeit
verschickt worden. Dies teilte das in Bonn ansässige Netzwerk Friedenskooperative
in einer Pressemitteilung am Mittwoch mit. Die Kriegsgegner hatten an
einer Blockade vor der US-Airbase bei Frankfurt am Main teilgenommen.
Gegen einzelne Beteiligte seien außerdem Strafbefehle wegen Nötigung
und gegen Koordinatoren der "resist"-Kampagne wegen Verstoßes
gegen das Versammlungsgesetz erlassen worden.
Nahezu alle Betroffenen haben nach Auskunft des Netzwerkes Einspruch gegen
die Bußgeldbescheide eingelegt. Man werde sich "aktiv vor Gericht
gegen die erhobenen Vorwürfe zur Wehr setzen", heißt es
in der Pressemitteilung. Die ersten Prozesse würden im kommenden
September und Oktober stattfinden.
Die Kriegsgegner wollen die Strafverfahren zum Anlaß nehmen, auf
die Völkerrechts- und Grundgesetzwidrigkeit der Unterstützung
des Irak-Krieges durch die Bundesregierung hinzuweisen, nachdem die Generalbundesanwaltschaft
die Verfolgung der entsprechenden Strafanzeigen inzwischen eingestellt
hat. Die Koordinationsgruppe beruft sich darauf, die Bürger hätten
die Pflicht zum gewaltfreien Widerstand gehabt und kündigte an, die
Prozesse bis zum Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe durchzufechten.
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Quelle: Neues Deutschland, 28.08.03
Prozess-Lawine gegen Irak-Kriegsgegner
Erste Verfahren sollen im September beginnen
Frankfurt (Main) (ND) Mehrere tausend Menschen hatten
sich im Frühjahr an gewaltfreien Aktionen gegen den Irak-Krieg der
USA beteiligt. Viele fanden im Rahmen der Kampagne "resist the war"
statt, die zu Zivilem Ungehorsam gegen den Krieg aufgerufen hatte, Bei
Blockaden vor der US-Airbase in Frankfurt (Main) wurden hunderte Beteiligte
vorübergehend festgenommen. Nachdem das Ordnungsamt im Juni ab über
1300 Personen Anhörungsbogen verschickt hatte, folgen nun ebenso
viele Bußgeldbescheide über jeweils 118,59 Euro. Zusätzlich
werden gegen einige der Beteiligen wegen des strafrechtlichen Vorwurfs
der Nötigung und gegen Koordinatoren der "resist"-Kampagne
wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz Strafbefehl erlassen.
Nahezu alle der von staatlicher Verfolgung Betroffenen haben Einspruch
gegen die Bescheide eingelegt. Ordnungsamt und Staatsanwaltschaft Frankfurt
haben sich verkalkuliert: Die Einschüchterung durch Bußgeldbescheide
und Strafbefehle hat nicht den staatlicherseits gewünschten Erfolg
gebracht, betonen Manfred Stenner vom Netzwerk Friedenskooperative sowie
Martin Singe vom Komitee für Grundrechte und Demokratie, in einer
gemeinsamen Erklärung. Die Betroffenen werden sich vor Gericht gegen
die erhobenen Vorwürfe zur Wehr setzen. Erstmals seit den achtziger
Jahren wird es also wieder Massenprozesse wegen gewaltfreien Widerstandes
gegen Krieg geben. Die ersten Verhandlungen sollen bereits im September
und Oktober in der Main-Metropole stattfinden.
Die Angeklagten werden dabei die Politik der kriegsführenden Staaten
sowie der Bundesregierung öffentlich anprangern und die Völkerrechts-
sowie Grundgesetzwidrigkeit des Irak-Kriegs feststellen lassen. Der Krieg
gegen den Irak haben u.a. gegen das Gewaltverbot der UN-Charta und gegen
das Friedensgebot des Grundgesetzes verstoßen. Die Bundesregierung
hatte den USA und Großbritannien rechtwidrig Überflugrechte
und die kriegerische Nutzung ihrer Basen auf dem Boden der Bundesrepublik
gewährt.
Im Falle der Führung völkerrechts- und grundgesetzwidrigen Kriege
hätten Bürger die Pflicht zum gewaltfreien Widerstand - stellt
die Koordinationsgruppe von "resist the war" fest. Daher sind
die Beschuldigten bereit, die Prozesse gegebenenfalls bis zum Bundesverfassungsgericht
in Karlsruhe durchzustreiten.
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