US-Militärflughafen Frankfurt – “Main Gate to Europe“
Autor: Gerhard Piper
Seit Jahren steht über der Toreinfahrt zum US-Fliegerhorst
am Frankfurter
Flughafen der Spruch „Main Gate to Europe“, denn über den Frankfurter
Airport werden jährlich tausende US-Soldaten nach Deutschland eingeflogen.
Aber über dieselbe Basis werden immer wieder GIs in die Kriegsgebiete der
„Dritten Welt“ ausgeflogen. Frankfurt ist daher auch „Main
Gate to War“.
Daher war die lärmende Flugbasis schon oft Schauplatz von
Friedensdemonstrationen: 3. Oktober 2002, 14. Dezember 2002, 22. Februar
2003, ...
Früher verfügte die US Air Force Europe (USAFE) über
dutzende Militärbasen
in Europa, davon sind heute noch sieben größere Stützpunkte
übrig
geblieben: zwei in Großbritannien (Lakenheath und Mildenhall), drei in
Deutschland (Ramstein, Spangdahlem und Rhein-Main) sowie Aviano in Italien
und Incirlik in der Türkei. Das Kommando umfaßt 31.742 Bediensteten
(26.332 Soldaten, 388 Reservisten und 5022 Zivilangestellte). Die 224
Militärmaschinen (173 Kampfflugzeuge, 36 Transporter und 15 Tankflugzeuge)
verteilen sich auf vier Kampfgeschwader (Lakenheath, Spangdahlem, Aviano
und Incirlik), ein Transportgeschwader (Ramstein) und ein Tankergeschwader
(Mildenhall).
Obwohl auf dem Fliegerhorst in Frankfurt selbst keine Militärflugzeuge
dauerhaft stationiert sind, ist die Basis dennoch ein wichtiges Rädchen
in
der US-Kriegsmaschinerie, schließlich dürfen die Amerikaner die drei
Landebahnen des frankfurter Großflughafens mitbenutzen. Normalerweise
sind
680 Soldaten und 1105 Zivilbediensteten der Basis beschäftigt, diese
werden gegenwärtig durch Verstärkungspersonal aus den USA unterstützt.
Während die 726th Air Mobility Squadron für die technische Abwicklung
des
gesamten Fracht- und Personenverkehrs übernimmt, ist die 469th Air Base
Group für die Bereitstellung der Infrastruktur einschließlich der
Versorgung der Passagiere nach den stundenlangen Transatlantikflügen
zuständig. Außerdem ist in Frankfurt noch die 16th Expeditionary
Support
Squadron stationiert. Diese unterstützt die SFOR-Truppen in
Bosnien-Herzegovina (Operation JOINT FORGE) und die KFOR-Einheiten im
Kosovo (Operation JOINT GUARDIAN) und betreibt für Notfallsituationen auf
der Airbase ein Lagezentrum.
So wird ein Teil des Truppenaufmarsch am Persischen Golf über
Frankfurt
abgewickelt. Durch den US-Aufmarsch am Persischen Golf stieg der
Militärflugverkehr auf durchschnittlich 40 Flugzeuge und 2200 Soldaten
täglich. An Spitzentagen werden über 100 Flüge durchgeführt.
So befördern
die C-17A Globemaster III oder C-141C Stratolifter u.a. Rüstungsmaterial
des V Corps. Die Flugzeuge gehören zu Airlift Wings in den USA: 62nd AW
(Washington), 437th AW (South Carolina), 445th AW (Ohio), 452nd AW
(Kalifornien), usw. Gemäß der Kriegsstudie OPLAN 1003-98 aus dem
Jahre
1998 beträgt der tägliche Materialbedarf der US-Truppen am Golf 60.000
Tonnen (Munition, Treibstoff, Ersatzteile, usw.), das entspricht 5000
Transportflügen mit der C-130 Hercules.
Weil die militärischen Transportkapazitäten nicht ausreichen,
hat das
US-Verteidigungministerium mit dreißig kommerziellen Airlines der
sogenannten Civil Reserve Charterverträge abgeschlossen: American
Airlines, Continental Airlines, Delta Air Lines, Southern Air, UPS
Airlines und World Airways etc. Durch die Benutzung „normaler“
Passagiermaschinen können die Truppenbewegungen nicht genau verfolgt
werden. Mit der Zahl der Flugzeuge steigt der Bedarf an Lager- und
Landekapazitäten auf den vorhandenen Militärflugplätzen. Deren
Zahl ist
ohnehin beschränkt, was die Bedeutung des Rhein-Main-Flughafens (Fläche
2,1 qkm) als logistische Drehscheibe im aktuellen Spannungsfall
unterstreicht.
Nach Angaben der deutschen Sicherheitsorgane gab es in den letzten
Monaten
wiederholt Terrordrohungen gegen den Frankfurter (Militär-)Flughafen. Am
13. Februar wurde für die drei US-Flugplätze in der BRD die erhöhte
Warnstufe „Bravo“ ausgerufen. Gemäß einem deutsch-amerikanischen
Abkommen
hat die Bundeswehr die Kontrollen am Eingang der Basis übernommen. Aber
Sicherheitsprobleme entstehen auch durch die US-Militärpiloten. Einige
sind Angehörige der Air Force Reserve, die nicht über ausreichend
Flugpraxis verfügen, andere nehmen auf den neu-stündigen
Transatlantikflügen mit den langsamen Propellermaschinen Aufputschmittel,
um sich wachzuhalten.
Da das zivile Passagieraufkommen in den nächsten Jahren noch
zunehmen
wird, die Kapazitäten des Frankfurter Großflughafens aber nicht beliebig
erhöht werden können, der zusätzliche militärische Flugverkehr
ohnehin
eine enorme Lärmbelästigung darstellt, soll die Militärbasis
im Dezember
2005 geschlossen werden. Ein Teil der Militärtransporte wird dann über
die
US-Militärbasis Rota an der Atlantikküste in Südspanien abgewickelt,
die
gemäß dem Plan „Rota Vision 2010“ entsprechend ausgebaut
wird.
Gerhard Piper ist wiss. Mitarbeiter des BITS
in Berlin
Tel.: 030 / 446 858-25
> zurück zum Sitzblockaden-Aufruf